Dienstag 28. März 2017

6. April 2013

Einsätze

Schulbrand - in den Ferien!

Einsturz der Dachkonstruktion während der Löscharbeiten!
Am 17. 7. 2003 kam es gegen 21:00 Uhr in der Zeltgasse 7 im 8. Wiener Gemeindebezirk zu einem gefährlichen Großbrand. Bei dem Brandobjekt handelt es sich um einen dreigeschossigen, ca. 20 x 40 m großen Altbau, in welchem eine Volksschule untergebracht ist. Das Gebäude steht inmitten des Innenhofes der Liegenschaft Zeltgasse 7-9 und ist nur über einen Durchgang vom Objekt Zeltgasse 9 begehbar. Östlich wird das Schulgebäude von den Liegenschaften Piaristengasse 13 bzw. 15 und westlich von den Gebäuden Strozzigasse 14-20 begrenzt. An der Südseite schließen direkt ebenerdige Lager- und Wirtschaftsgebäude des benachbarten Umspannwerkes und einem Hotel an. Vor dem Brandausbruch wurde in dem Schulgebäude eine Generalsanierung durchgeführt, wobei die gesamte Dachkonstruktion erneuert und zum Zwecke der Raumnutzung ausgebaut wurde. Im Bereich des Stiegenhauses war zu diesem Zweck unter anderem an oberster Stelle, eine Pölzung zur Errichtung einer Dachgaupe aufgebaut worden.

Beim Eintreffen der Löschbereitschaft "Hernals" stand das gesamte Dachgeschoss in Vollbrand, wobei durch starke Windböen bereits ein immenser Funkenflug mit bis zu faustgroßen Glutstücken eingesetzt hatte. Die Brandausbreitungsgefahr war zu diesem Zeitpunkt besonders im östlichen Bereich zu den angrenzenden Wohngebäuden hin gegeben. Aufgrund dieser Situation wurde sofort Alarmstufe 2 ausgelöst.

Von den Kräften der Löschbereitschaft "Hernals" wurde nach gewaltsamen Öffnen der Zugangstüre des Objektes Zeltgasse 9 ein Innenangriff in das Schulgebäude mit zwei Rohren (RLF und ULF "H"), unter Atemschutz über das Stiegenhaus vorbereitet. Der Zugang zur Schule selbst wurde von der anwesenden Schulwartin ermöglicht. Während des Aufbaues des Löschangriffes, war es bereits zu ersten Abstürzen von brennenden Dachsparren und Dachziegeln in den Innenhof gekommen. Aus diesem Grund wurde der Hof von sämtlichen Einsatzkräften geräumt und nur mehr für unbedingt notwendige Versorgungsmaßnahmen der beiden tätigen Löschgruppen betreten. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die Schulwartwohnung im Erdgeschoss des Brandobjektes geräumt. Nach dem Eintreffen der Löschbereitschaften "Zentrale 1" und "Liesing" wurden insbesondere die Nachbarobjekte begangen und auf eine Brandausbreitung hin kontrolliert. Vom ULF/C und dem BLF/H wurde vom Objekt Piaristengasse 17 eine Löschleitung über das dortige Dachgeschoss zum Schutz der angrenzenden Dachfläche vorgenommen.

Während der Löscharbeiten kam es zum plötzlichen Einsturz der Dachkonstruktion, wobei der im Stiegenhaus mit den Löscharbeiten beschäftigte Atemschutztrupp des Rüstlöschfahrzeuges „Hernals“ teilweise von brennenden Teilen getroffen wurde und kurzfristig getrennt war. Der Trupp konnte aber sofort durch den unmittelbar daneben befindlichen Trupp des Universallöschfahrzeug „Hernals“ in Sicherheit gebracht werden. Alle betroffenen Beamten wurden an den Rettungsdienst übergeben, konnten aber nach kurzer Untersuchung unverletzt einrücken. Der Innenangriff wurde in der Folge abgebrochen und durch einen Außenangriff mittels zweier tragbarer Wasserwerfer der "Großtanklöschfahrzeuge" „Favoriten“ und „Hernals“, sowohl vom Innenhof als auch von der Strozzigasse her, ersetzt. Dadurch konnte die Brandintensität soweit gebrochen werden, dass der Innenangriff anschließend durch das BLF und das ULF/H wieder aufgenommen und der Brand schließlich bis auf Glutnester gelöscht werden konnte. Zur Bekämpfung von Sekundärbränden durch abgestürzte Bauteile wurde in den Innenhof ein zusätzliches Rohr vorgenommen.

Wegen der starken Rauchentwicklung im Innenhof wurden vorsorglich die Gebäude Piaristengasse 15 und 17 sowie Strozzigasse 18-22 evakuiert. Sämtliche Personen wurden im Katatrophen-Zug der Rettung bzw. in Autobussen der Wiener Linien untergebracht. Nach gewaltsamen Öffnen eines Außenfensters im dritten Obergeschoss konnte ein Rohr über eine Gerüsttreppe von Außen bis zum Dachgeschoss vorgenommen werden und dort die nach dem Einsturz der Dachkonstruktion im großer Zahl vorhandenen Glutnester abgelöscht werden.

Branddirektor Dipl. Ing. Dr. Perner informiert Feuerwehrstadträtin Mag. Brauner an der Einsatzstelle

Von vier Löschgruppen mussten abschließend umfangreiche Nachlösch- und Aufräumarbeiten durchgeführt werden. Eine Endkontrolle der Einsatzstelle erfolgte zwei Stunden nach dem Abrücken der letzten Löschgruppe. Dieser Einsatz verdeutlicht die Wichtigkeit einer rund um die Uhr bereit stehenden starken Einsatzmannschaft. Obwohl sich der vorbeugende Brandschutz in Wien auf einem sehr hohen Niveau befindet, können derartige Schadensereignisse zu keinem Zeitpunkt ganz ausgeschlossen werden!
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