Montag 23. Oktober 2017

6. April 2013

Einsätze

Kollision auf der Donau!

Aus zunächst unbekannter Ursache war es am 4. 11. 2004 auf der Donau auf niederösterreichischem Gebiet, kurz vor der Wiener Stadtgrenze zu einer Kollision des Schubverbandes "Meister" mit dem restaurierten Schleppkahn "Grein" gekommen. Die "Grein" wurde in der Folge unter den Schubverband gedrückt und dürfte laut Zeugenaussagen relativ rasch gesunken sein. Ebenfalls laut Zeugen sind zumindest zwei der insgesamt sechs vermuteten Besatzungsmitglieder von Bord gesprungen.

Bei Ankunft der Feuerwehr waren bereits zwei Polizeiboote im Bereich der Nussdorfer Fähre mit der Suche beschäftigt. Zusätzlich wurden die Suchmaßnahmen durch einen Hubschrauber mit Scheinwerfer und Infrarot-Sichtgerät des Innenministeriums unterstützt. Von den Kräften der Feuerwehr wurden vorerst zwei Boote vom Stützpunkt "Kahlenbergerdorf" im unmittelbaren Bereich des Kuchelauer Hafens eingesetzt, parallel dazu gingen Motorschlauchboote vom Taucherrüstfahrzeug im Bereich der Schleuse Nussdorf zu Wasser. Von weiteren Löschgruppen und dem Taucherfahrzeug Kaisermühlen wurde mit der Suche in Bereich des linken Donauufers von der Landseite aus begonnen.

Die gleiche Aufgabe übernahm das Rüstlöschfahrzeug „Grinzing“ am rechten Donauufer. Nach ungefähr zehn Minuten wurde im unmittelbaren Bereich der Einfahrt des Kuchelauer Hafens eine leblose Person vom Arbeitsboot „Kahlenbergerdorf“ gefunden und zum Steg des Donaurestaurants verbracht. Dort wurde die Person von der Besatzung des Kommandofahrzeuges „Döbling“ und des Taucherfahrzeuges „Leopoldstadt“ mit der Beatmungseinheit und dem Defibrillator reanimiert. Die Person wurde anschließend an den Rettungsdienst übergeben, die Reanimationsmaßnahmen blieben leider ohne Erfolg.

Während dieser Maßnahmen wurde von der Motorzille „Kahlenbergerdorf“ im Bereich der Schleuse Nussdorf ein im Wasser treibender Torso aufgefunden und geborgen. Die Leichenteile wurden ebenfalls zum Donaurestaurant im Kuchelauer Hafen verbracht und dort an die Sicherheitswache übergeben. Aufgrund der großen Anzahl der vermissten Personen und der zu erwartenden Suchstrecke wurde unmittelbar nach Kenntnisnahme auf Alarmstufe 2 erhöht. In weiterer Folge wurde von der Löschbereitschaft „Floridsdorf“ mit insgesamt vier Gruppen das linke Donauufer vom Einlaufbauwerk Langenzersdorf bis zur Reichsbrücke kontrolliert, jedoch konnten keine Anzeichen von verunfallten Personen wahrgenommen werden.

Von den Suchkräften der Feuerwehr wurden ca. 300m unterhalb der Reichsbrücke auf der rechten Donauseite einige Wrackteile gefunden, die unmittelbar an die Einsatzkräfte der Polizei übergeben wurden. Parallel dazu wurden von zwei weiteren Booten des Stutzpunktes „Leopoldstadt“ der Donaustrom vom vor Anker gegangenen Schubverband bis zum Kraftwerk Freudenau abgesucht.

Die Suchmaßnahmen wurden von insgesamt vier Booten der Freiwilligen Feuerwehr Klosterneuburg und der Freiwilligen Feuerwehr Korneuburg im Bereich der Stadtgrenze unterstützt. Alle weiteren Suchtätigkeiten blieben bis 22:15 Uhr ohne Erfolg.

Deshalb wurde vom Einsatzleiter der Feuerwehr gemeinsam mit den zuständigen weiteren Einsatzkräften des Innenministeriums, Polizei, Rettungsdienst und Kriminalpolizei die Suche nach den vermissten Personen bis zum Tageslicht eingestellt. Für die Dauer des Einsatzes war der Schiffsverkehr auf der Donau vollständig eingestellt.

Teilweise wurden die Suchtätigkeiten auch vom Rettungshubschrauber C9 unterstützt. Am Morgen des 05.11.04 wurden sowohl von Seite der Feuerwehr sowie von Seite der Polizei weitere Suchtätigkeiten zu Wasser sowie zu Lande eingeleitet. In den folgenden Tagen wurde eine weitere Leiche bei Maria Elend gefunden. Ende November - früher war es wegen der herrschenden Wetterlage nicht möglich - wurde die Suche von Leichensuchhunden unterstützt. Obwohl Einsatztaucher der WEGA und der Feuerwehr noch einmal absuchten, konnten die drei Leichen bis zur Drucklegung dieser Zeitschrift nicht geborgen werden. Eine Untersucheung des zwischenzeitlich gehobenen Wracks der "Grein" ergab, dass bei der letzten Fahrt des Nostalgiebootes das Ruder an einer Untiefe beschädigt worden war. Die folgende Manövrierunfähigkeit führte zu der folgenschweren Kollision, bei der sechs Personen ihr Leben lassen mussten. Für die eingesetzten Kräfte der Wiener Feuerwehr stellte diese Intervention eine besondere psychische Belastung dar, da zwei der vermissten Personen erst kürzlich pensionierte Feuerwehrmänner waren.
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