Donnerstag 17. August 2017

6. April 2013

Einsätze

Ausgeflossener Schadstoff

Aufgrund einer Undichtheit in einem Säurebecken in der im Kellergeschoss gelegenen Härterei der HTL Ottakring waren insgesamt 30 Liter 37%iger Salzsäure ausgeflossen und hatten sich auf einer Fläche von ca. 15 m² verteilt. Da die Härterei am heutigen Tag noch nicht genutzt worden und zu dem versperrt war, wurde der Vorfall nur durch Zufall von Schülern an dem stechenden Geruch im Gangbereich festgestellt. In der Folge versuchte der verständigte Werkstättenleiter noch die Fenster in dem Raum zu öffnen, musste die jedoch Aufgrund der starken Salzsäuredämpfe abbrechen. Der Werkstättenleiter verschloss anschließend wieder die Türe und verständigte die Feuerwehr.

Von der ersteintreffenden Löschgruppe „Hernals“ wurde einerseits der verletzte Werkstättenleiter erstversorgt und andererseits unter Atemschutz mit der Räumung der angrenzenden Bereiche begonnen. In der Folge wurde der Werkstättenleiter vom angeforderten Notarzt weiter versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Aufgrund der unklaren Situation und des sich verbreitenden stechenden Geruchs wurde die Schulevakuierung durch Auslösung der internen Brandmeldeanlage veranlasst. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 80 Personen (Schüler und Lehrpersonal) in dem Gebäude anwesend.

Mit den angeforderten Ergänzungskräften wurde die Räumung teilweise unter Atemschutz unterstützt und durch Öffnen der Fenster für Belüftung in dem Schulgebäude gesorgt. Die Härterei wurde vom Universallöschfahrzeug „Hernals“ unter Schutzstufe 2 kurzfristig geöffnet, das Ausmaß des Schadstoffaustrittes erkundet und eine Belüftung durch Öffnen der Raumfenster veranlasst. Da die Fenster des betroffenen Raumes unmittelbar an der Paltaufgasse liegen, wurde vor Beginn der Lüftungsmaßnahmen die Straße durch die Sicherheitswache gesperrt und durch die Löschgruppe „Penzing“ von Personen geräumt. Auch der zu diesem Zeitpunkt mit den evakuierten Schülern besetzte Schulhof wurde aufgrund der unklaren Belüftungsverhältnisse geräumt. Alle Zugänge in den Innenhof wurden mittels Trassenband abgesperrt und von der Sicherheitswache überwacht. Vom Universallöschfahrzeug „Hernals“ wurden weiters Messungen mit Drägerprüfröhrchen durchgeführt und eine Salzsäurekonzentration von 10 ppm in der Härterei festgestellt (MAK-Wert 7 ppm).

Nach der vollständigen Evakuierung wurde durch einen Trupp unter Schutzstufe 3 die ausgetretene Salzsäure mit ca. 60 kg Natriumcarbonat des WBN „Landstraße“ neutralisiert. Nach Feststellung eines PH-Wertes von 8 wurd3e die Flüssigkeit mit ca. 100 kg Universalbindemittel aufgenommen und in sechs Einwegbehälter eingefüllt. Restmengen der Flüssigkeit, sowie die Grobreinigung des Raumes und die Reinigung des Säurebeckens wurden mit einem vorhandenen Wasserschlauch und über herkömmlichen Abfluss durchgeführt. Sämtliche Abwässer wurden laufend mittels PH-Teststreifen kontrolliert (PH-Werte zwischen 7 und 8). Messungen mit dem Drägerprüfröhrchen ergaben nach der Reinigung keine gefährlichen Salzsäurekonzentrationen in der Härterei. Um eine unkontrollierte Abführung der Salzsäuredämpfe in dem Schulgebäude zu verhindern, wurde der Gangbereich vor der Härterei während der Arbeiten mit einem Ringlüfter unter Überdruck gesetzt.

Sämtliche eingesetzten Schutzanzugträger wurden über den WDE „Liesing“ dekontaminiert. Insgesamt waren ein Trupp unter Schutzstufe 3 und drei Trupps unter Schutzstufe 2 eingesetzt. Die kontaminierten Schutzanzüge wurden zur Reinigung zur Dekoanlage „Floridsdorf“ verbracht. Das kontaminierte Bindemittel in den Einwegbehältern wurde von der MA 48 übernommen und zur Entsorgung zu den EBS gebracht. Eine im Turnunterricht befindliche Schulklasse wurde bis zur Möglichkeit des Umziehens in einen Bus der Wiener Linien untergebracht. Für die Dauer des Einsatzes waren die Paltaufgasse und die Hettenkofergasse für den Verkehr gesperrt.
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