Donnerstag 17. August 2017

6. April 2013

Einsätze

Gasaustritt bei Christkindlmarkt!

Unter dem weitläufigen Gelände des Schlossparks Belvedere befindet sich ein aus den Baujahren des Schlosses stammendes, weit verzweigtes Schachtsystem, in welchem zum Teil auch Versorgungsleitungen für Gas- und Wasseranschlüsse der einzelnen Trakte des Gebäudes verlegt sind. Vermutlich auf Grund eines Zeitschadens war eine der Gasversorgungsleitungen undicht geworden und über einen Zeitraum von mehreren Tagen Erdgas ausgetreten. Dieses Gas hatte sich zu einem großen Teil in dem unterirdischen Schachtsystem und im Erdreich gesammelt. Auf Grund der starken Geruchsbelästigung war am Abend des sechsten Dezembers 2007 von Besuchern des vor dem Schloss Belvedere derzeit befindlichen Christkindlmarktes der Störtrupp von Wiengas angefordert worden. Von diesem Störtrupp wurde im Bereich eines sechs Meter tiefen Schachtes in der Marktmitte eine Gaskonzentration von 70 Vol% gemessen. Bedingt durch die hohe Gaskonzentration, die damit verbundene Explosionsgefahr und die große Besucheranzahl wurde in der Folge vom Störtrupp gegen18:50 Uhr die Feuerwehr angefordert. Von der Wiener Berufsfeuerwehr wurde als Erstmaßnahme mit drei Löschgruppen und der Besatzung des Kommandofahrzeuges der Christkindlmarkt evakuiert und alle Zugänge in den Schlosspark mittels Trassenband abgesperrt. Die Absperrungen wurden in der Folge von den zahlreich eintreffenden Kräften der Polizei übernommen und bewacht. Nach weiteren Messungen durch die Wiengas-Störtrupps wurde die Evakuierung auch auf das Schloss Belvedere und die beiden angrenzenden bewohnten Nebentrakte ausgedehnt. 15 Bewohner dieser Trakte wurden vorübergehend im Katastrophenzug der Rettung untergebracht. Vom Störtrupp wurde der an der Grundstücksgrenze zum Schlosspark befindliche Hauptzuleitungsschieber zum gesamten Schlossareal gesperrt. Gemeinsam mit mehreren Messtrupps von Wiengas wurden alle Kellerräumlichkeiten des Schlosses und der Nebentrakte begangen und Kontrollmessungen durchgeführt. Dabei wurde im Bereich eines zugemauerten Zugangs in das Schachtsystem im Keller des Schlosses eine erhöhte Gaskonzentration gemessen. Weiters wurde in der Mitte des Christkindlmarktes befindlichen Schachtes und in einem weiteren ca. sechs Meter tiefen Schacht beim Schlossteich eine Gaskonzentration von 40 - 70 Vol% festgestellt. In der Folge wurde das Schachtsystem über die beiden genannten Schachtöffnungen mittels eines explosionsgeschützten Ringlüfters des Wechselladers Umweltschutz und eines ebenfalls explosionsgeschützten Lüfters des Wechselladers Luft abgesaugt. Die im Keller des Schlosses durch die Zumauerung in das Schachtsystem führenden Versorgungsleitungen (Wasser- und Abwasserleitung) wurden vorsorglich mittels Leckstellenbandage dicht verschlossen, was letztlich zu einem deutlichen Absinken der Gaskonzentration in diesem Bereich führte. Nach der Herstellung von periodischen Messbohrungen im Umkreis von ca. 50 Metern durch Wiengas wurde weiters festgestellt, dass sich auf einer Fläche von annähernd 500 m² im Erdreich größere Gaskonzentrationen angesammelt hatten. Die Messwerte betrugen im Schnitt zwischen 30 - 80 Vol%! Auf Grund dieses Umstandes wurde von Wiengas entschieden, vorerst Lüftungsgrabungen durchzuführen. Im Einvernehmen mit der gebäudeverwaltenden Burghauptmannschaft wurden die Gasleitungen vollständig ausgegraben. Durch diese Maßnahmen in Verbindung mit dem Absaugen des Schachtsystems konnte die Gaskonzentration nach ca. drei Stunden unter den Explosionsbereich gesenkt werden. Zusätzlich wurden von den Messtrupps von Wiengas gemeinsam mit dem Störtrupp Wienkanal alle Kanaleinläufe im unmittelbaren Bereich des Schlossparks kontrolliert. Es konnte keine Gaskonzentration festgestellt werden. Der Brandschutz wurde über die gesamte Dauer des Einsatzes durch die Universallöschfahrzeuge von Favoriten und S mittels Pulverrohres und eines C-Rohres sichergestellt werden. Weiters waren ständig Vertreter der Haustechnik des Schlosses Belvedere anwesend. Für die Bewohner der Nebentrakte wurde über die Magistratsdirektion elektrische Heizlüfter und Kochplatten angefordert. Für die Dauer des Einsatzes war die Prinz-Eugen-Straße für den gesamten Verkehr gesperrt.
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