Sonntag 30. April 2017

6. April 2013

Einsätze

Kinderzimmerbrand - Alarmstufe 2!

Aus unbekannter Ursache war es am 22. 05. 2008 im Kinderzimmer einer Wohnung im vierten Stock zu einem Brand gekommen. Die im Nebenzimmer, mit ihrem fünfjährigen Sohn und ihrer fünf Monate alten Tochter, schlafende Wohnungsinhaberin war durch die starke Rauchentwicklung geweckt worden und konnte noch rechtzeitig mit den beiden Kindern aus ihrer Wohnung flüchten.

Durch die Luftzuführung beim Öffnen der Türe war es dann zu einer Verpuffung gekommen, durch welche sowohl das Kinder- als auch das Wohnzimmer in Vollbrand gesetzt wurden. Zudem waren die Scheiben der beiden straßenseitigen Fenster auf die darunter liegende Straße geschleudert worden. Durch die Luftzugverhältnisse im Stiegenhaus war der Brandrauch aus der offen stehenden Wohnungstüre über den unmittelbar daneben befindlichen Aufzugsschacht nach unten ins Erdgeschoss gedrückt worden, was letztlich zu einer vollständigen Verrauchung des Stiegenhauses führte.

Bei Ankunft der Feuerwehr schlugen die Flammen aus einem der straßenseitigen Fenster, zahlreiche Wohnparteien flüchteten aus dem verrauchten Stiegenhaus bzw. riefen an den Fenstern der Straßenfront und des Innenhofes um Hilfe. Aufgrund dieser Situation wurde vom ersteintreffenden Gruppenkommandanten "Rudolfshügel" parallel mit der Menschenrettung unter Atemschutz Alarmstufe 2 ausgelöst. Nach dem Eintreffen der Löschbereitschaft "Favoriten" wurde vom Universallöschfahrzeug ein Rohr im Außenangriff über die Drehleiter vorbereitet. Aufgrund der zahlreichen Abspannungen und der Straßenbahnoberleitung, konnte die Drehleiter erst nach Entfernen mehrerer PKWs in Stellung gebracht werden. Um einen Brandüberschlag auf das Dachgeschoss zu verhindern, wurde deshalb der Wasserwerfer des Universallöschfahrzeuges "Favoriten" vorgenommen.

Mit dieser Maßnahme konnte die Brandintensität soweit gebrochen werden, dass der Brand letztlich mit einem Rohr im Innenangriff gelöscht werden konnte. Parallel mit der Brandbekämpfung wurden die angrenzenden Wohnungen durch zwei Atemschutztrupps kontrolliert. Ein Wohnungsinhaber wurde unter Verwendung einer Fluchtfiltermaske aus seiner Wohnung gerettet. Sämtliche geflüchteten bzw. geretteten Personen wurden an den Katastrophenzug der Rettung übergeben und zum größten Teil ambulant behandelt. Die Wohnungsinhaberin der Brandwohnung und ihre beiden Kinder wurden mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Von der Löschbereitschaft "Mariahilf' wurden jeweils die Nachbarstiegen überprüft. Für die Kontrolle des Dachgeschosses mussten die Zugangstüren gewaltsam geöffnet werden. Das stark verrauchte Dachgeschoss wurde durch Öffnen der Fenster belüftet. Die Brandrauchentlüftung des Stiegenhauses erfolgte mittels Hochleistungslüfter der Drehleiter. Alle Türen des Dachgeschosses bleiben im Einvernehmen mit dem anwesenden Hauswart unversperrt.

Eine zur Brandwohnung angrenzende Wohnung wurde gewaltsam durch Abreißen des Einbauzylinders geöffnet, überprüft und durch den Einbau eines feuerwehreigenen Einbauzylinders sperrbar gerichtet und verschlossen. Eine ebenfalls angrenzende Wohnung wurde von außen über die Drehleiter "Favoriten" überprüft und keine Verrauchung festgestellt. In allen anderen Wohnungen waren die Wohnungsinhaber anwesend. In der unter der Brandwohnung gelegenen Wohnung war es zu einem erheblichen Durchtritt des Löschwassers gekommen. Vom Rüstlöschfahrzeug "Mariahilf" wurde die Decke kontrolliert, angebohrt und die dazugehörigen E-Sicherungen abgehoben.

Aufgrund der Aussagen zahlreicher Passanten über eine stattgefundene Explosion (anfänglich beschriebene Verpuffung) war vorsorglich parallel mit der Brandbekämpfung auch die Gashauptabsperreinrichtung der Stiege geschlossen worden. Vom angeforderten Störtrupp WienGas wurde die Leitungsführung in der Folge überprüft. Das Brandgut wurde im erforderlichen Ausmaß ausgeräumt und im Gangbereich der Wohnung gesichert abgelegt. Die Brandwohnung wurde mit einer Wärmebildkamera überprüft und zahlreiche Glutnester im Decken- und Bodenbereich abgelöscht. Für die Wohnungsinhaberin und ihre beiden Kinder wurde über die MDKS eine Ersatzwohnung angefordert. Für die Dauer des Einsatzes war die Troststraße für den Verkehr gesperrt.
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