Donnerstag 17. August 2017

6. April 2013

Einsätze

Hochwasser: Hilfe der Wiener Feuerwehr im Katastrophengebiet

Am Donnerstag, 8. August 2002 wurde bereits am Vormittag ein telefonisches Hilfeangebot der Wiener Feuerwehr an das Landesfeuerwehrkommando NÖ (LFK-NÖ) gerichtet. Daraufhin langte um 11.06 Uhr per Fax das Ersuchen des LFK-NÖ ein, eine Wiener Feuerwehreinheit in der Stärke eines Zuges zwecks Durchführung von Auspumparbeiten ins Katastrophengebiet zu entsenden. Die Einheit wurde kurzfristig aufgestellt und auf der Hauptfeuerwache "Floridsdorf" zusammengezogen, von wo sie um 13.44 Uhr in das Einsatzgebiet abrückte. Nach Erkundung der Schadenslage, Zuweisung des Einsatzortes HADERSDORF AM KAMP (Bezirk KREMS) und Abklärungsgespräch mit der örtlichen Einsatzleitung begann die Wiener Einheit um 16.15 Uhr mit den Auspumparbeiten. In der Folge wurden von der Wiener Feuerwehr in insgesamt fünf Ortsteilen von HADERSDORF Auspumparbeiten aus Kellern, Tiefgaragen und sonstigen tiefer gelegenen Räumen sowie aus großflächigen Geländemulden, in welchen überflutete Häuser standen, durchgeführt. Dazu kamen noch diverse Hilfeleistungen wie etwa die gutächtliche Untersuchung eines im Überflutungsbereich stehenden Hauses auf Einsturzgefahr oder die Notstromversorgung der im Ort gelegenen Herberge mit 40 Flüchtlingen, nachdem die örtliche Stromversorgung ausgefallen war. Die Arbeiten wurden bis in die Morgenstunden des Freitag, 9. August 02 durchgezogen. In der Folge konnten von uns keine sinnvollen Aus- bzw. Abpumparbeiten mehr durchgeführt werden, da das weitere Zurückgehen des Hochwassers abzuwarten war, um Auspumperfolge zu erzielen. Die Wiener Einheit wurde daher um 05.15 Uhr aus HADERSDORF AM KAMP abgezogen und mangels weiterer Einsatzaufträge nach WIEN zurückverlegt, wo die Fahrzeuge bis längstens 06.46 Uhr wieder auf ihren Standortwachen eingerückt waren. Die eingesetzte Wiener Feuerwehreinheit bestand aus 13 Fahrzeugen (u.a. ausgerüstet mit 30 Unterwasserpumpen und 20 Notstromaggregaten für die Stromversorgung der Pumpen) und 41 Mann. Zusammen mit uns waren HADERSDORF neben der örtlichen Feuerwehr auch Feuerwehrverbände aus den Bezirken GÄNSERNDORF und BRUCK AN DER LEITHA im Einsatz. Am Freitag, 9. August 02 langte um 19.39 Uhr ein neuerliches Hilfeansuchen des Landesfeuerwehrkommandos NÖ (LFK-NÖ) um Entsendung einer Wiener Feuerwehreinheit in den Bezirk KREMS ein. Die Kräfte in Stärke eines Zuges (bestehend aus 10 Fahrzeugen mit 36 Mann und umfangreicher Zusatzausrüstung) wurden wiederum kurzfristig auf der Hauptfeuerwache "Floridsdorf" zusammengezogen und von dort bereits um 20.38 Uhr ins Katastrophengebiet in Marsch gesetzt. Der Wiener Einheit wurde in der Folge vom Landesführungsstab NÖ wiederum HADERSDORF AM KAMP als Einsatzort zugewiesen, wo nach dem Zurückgehen des Hochwasserspiegels vorerst das Auspumpen der großflächigen, mit Hochwasser gefüllten Geländemulden fortgesetzt und anschließend zum Auspumpen der dort stehenden Häuser übergegangen werden konnte. Dabei wurde mit unseren Geräten eine Gesamtpumpenleistung von etwa 20.000 Liter pro Minute eingesetzt. Da uns nach Abschließen unserer Auspumparbeiten vom LFK-NÖ (Landesführungsstab) keine weiteren Einsatzaufträge zugewiesen wurden, wurde die Wiener Feuerwehreinheit wiederum nach WIEN zurückverlegt, wo am Samstag, 10. August 02 um 04.50 das letzte Wiener Fahrzeug wieder auf seiner Standortwache einrückte. Das dritte Hilfeersuchen des LFK-NÖ erreichte die Wiener Feuerwehr am Montag, 12. August 02 um 12.28 Uhr. Wegen der sich zuspitzenden Hochwasserlage im Raum GRAFENWÖRTH wurde wieder um Entsendung einer Einheit ersucht. Es wurde ein Zug bestehend aus 8 Fahrzeugen mit 26 Mann auf der Hauptfeuerwache "Floridsdorf" zusammengestellt und nach Einlangen der Rückmeldungen des bereits vor Ort erkundenden Wiener Vorauskommandos um 14.50 Uhr in Marsch gesetzt. Einsatzort war diesmal ein zwischen den Ortschaften SEEBARN und ST. JOHANN (nächst GRAFENWÖRTH, Bezirk TULLN)gelegener Damm, wo mit großen Pumpenleistungen das ins TULLNER FELD zurückstauende Hochwasser des MÜHLBACHES über den Damm in Richtung Donauebene zu pumpen war. Zusammen mit dem dort eingesetzten Feuerwehrverband aus dem Bezirk MISTELBACH sowie einem privaten Unternehmen wurde eine Gesamtpumpenleistung von 100.000 Liter pro Minute aufgebracht! Wegen des ständig steigenden Hochwassers der DONAU war die Position zuletzt jedoch nicht mehr zu halten und musste wegen der massiven Gefährdung der dort stehenden Einheiten am Dienstag, 13. August 02 um 09.50 Uhr aufgegeben und geräumt werden. Die Fahrzeuge der daraufhin nach WIEN zurückverlegten Einheit kehrten bis 15.00 Uhr auf ihre Standortwachen zurück. Neben obigen Hilfeleistungen kam es auch zu zahlreichen kleineren Aktivitäten, wie etwa der Zurverfügungstellung eines 100kVA-Notstromaggregates der Wiener Feuerwehr, u.zw. zum Betreiben von Hochleistungspumpen der EVN in STRATZDORF (von Samstag, 10. August 02 bis Sonntag, 11. August 02); oder die Übergabe von 1.ooo Laufmeter B-Druckschlauch an die Freiw. Feuerwehr ALTENWÖRTH zum Aufbau einer provisorischen Trinkwasserversorgung; oder die Unterstützung der Feuerwehr KLOSTERNEUBURG mit Kräften aus WIEN bei einem Brand in der überfluteten Badesiedlung KLOSTERNEUBURG, wo die Brandbekämpfung nur mehr von Booten aus möglich war; oder aber auch das Lotsen eines aus MELK kommenden Feuerwehrfahrzeuges, das von einem Wiener Feuerwehrfahrzeug an der Westeinfahrt abgeholt, durch das Verkehrsgewirr nach SIMMERING zum Nachschaffen von Ölbindemittel und wieder zurück zur Westeinfahrt geleitet wird. Andererseits ist aber auch die nö. Feuerwehr jederzeit zur Unterstützung bereit, wie etwa am Dienstag, 13. August 02 um 00.45 Uhr, als bei einem Brand in einer Stadtrandsiedlung die anrückenden Wiener Feuerwehrkräfte in der Mauerbachstrasse wegen eines umgestürzten, über die Fahrbahn liegenden Baumes anhalten müssen und daher ersatzweise die Freiw. Feuerwehren PURKERSDORF, MAUERBACH und STEINBACH zur Hilfeleistung angefordert werden, deren Fahrzeuge ohne Behinderung von der anderen Seite anrücken können. Nicht zuletzt damit soll die gute Zusammenarbeit zwischen der Wiener Feuerwehr und den niederösterreichischen Feuerwehren dokumentiert werden, die auch im Hochwassereinsatz ausgezeichnet funktionierte, bis hin zum laufenden Informationsaustausch mit dem Landesführungsstab des Landesfeuerwehrkommandos NÖ. Insgesamt waren an den Einsätzen in NIEDERÖSTERREICH rund 40 Feuerwehrfahrzeuge und (wegen der erforderlichen Mannschaftsablösen) 150 Mann der Wiener Feuerwehr beteiligt. Bei den Einsätzen wurde stets die Nacht voll durchgearbeitet. Unsere Leistungen fanden sowohl in der Bevölkerung als auch bei den niederösterreichischen Feuerwehren überaus positives Echo. RATH, Oberbrandrat
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