Montag 27. März 2017

6. April 2013

Einsätze

Ausgeflossener Schadstoff

Am 6. Juli 2012 wurde die Berufsfeuerwehr Wien zu einem ausgeflossenen Schadstoff alarmiert. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle im 17. Wiener Gemeindebezirk wurde der Einsatzleiter von 2 Arbeitern einer Installateurfirma schon dringend empfangen, diese gaben an, daß sie zu einem "Gasgeruch" gerufen wurden. Beim Aufsuchen der Arbeitsstelle im Keller mussten sie direkt beim Stiegenabgang den sofortigen Rückzug antreten, da ein beißender, stechender Geruch wahrnehmbar war. Die Ersterkundung im Hauseingang bestätigte vor allem im Innenhof die Angaben der beiden Installateure. Daraufhin wurden durch die Kräfte Hilfeleistungslöschfahrzeug und Universallöschfahrzeug Hernals sowie 2. Rüstlöschfahrzeug Döbling unter Atemschutz die umliegenden Adressen kontrolliert und anwesende Wohnungsinhaber evakuiert. Am Evakuierungsplatz wurden ca. 20 Personen vom Rettungsdienst (mit Katastrophenzug anwesend) untersucht; es wurden keine Personen verletzt. Das Hilfeleistungslöschfahrzeug Hernals erkundete unter Schutzstufe 3 die Kellerräumlichkeiten und fand eine teilweise demontierte Anlage vor. Während der Erkundung wurde mittels Dräger Simultantest anorganischer Stoffe, sowie dem GDA 2 und Dräger XAM 7000 gemessen, weiters wurden Proben zwecks Analyse genommen.

Im Zuge der Erkundung wurde festsgestellt, dass in der Oberfläche der teilweise demontierten Anlage Schwaden aufstiegen. Um diese Reaktion zu unterbinden, wurde die Anlage, da alle gemesenen Luftschadstoffe sauer waren, mit Bikarbonatlösung dekontaminiert und die Flüssigkeit mit Absodan des Wechsellader Schadstoffunfall aufgenommen. Zwecks Auswaschen der ausdampfenden Gase wurde direkt vor dem Hauseingang ein Hydroschild in Stellung gebracht, weiters ein Düsenschlauch im Innenhof. Nach Grobdekontamination der Anlage wurde die, zuvor von der Baufirma mittels Trennscheibe angeschnittene Welle mit der vorgefundenen Trennscheibe vollständig getrennt, die Einzelteile wurden gemeinsam mit dem Absodan in jeweils doppelte Palettensäcke verpackt und mittels Sondergerätefahrzeug in die Fernwärme Wien Werk Simmeringer Haide entsorgt. Während der Arbeiten wurde die weitere Rohrführung nach der Wand des Anlagenraumes verfolgt und ein mittels Holzwand abgetrennter Kellergang gefunden, in dem mehrere zylindrische Tanks durch Schiebefenster erkannt wurden.

Um eine mögliche weitere Gefährdung abschätzen zu können, wurde die Holzwand durch das Rüstlöschfahrzeug Am Spitz unter Schutzstufe 2 entfernt. Im Anschluss wurde durch das Rüstlöschfahrzeug Strebersdorf ein Tank mittels 8mm Bohrer angebohrt und die austretende Flüssigkeit in 6 Einweggebinden aufgefangen. Durch das Umweltmessfahrzeug wurden mögliche Dämpfe sowie die Flüssigkeit analysiert, flüchtige Komponenten wurden nicht gefunden. Weitere Analysen ergaben eine wässrige Lösung mit verschiedenen Salzen, jedoch keine akute Umweltgefährdung. Nachdem die oberhalb der Probebohrung stehende Flüssigkeit vollständig abgelaufen war, wurden die Einwegbehälter im Keller belassen, der Keller wurde mittels zweier feuerwehreigenen Anlegearben und Sicherheitsschlössern verschlossen und gesperrt.

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