Freitag 31. März 2017

6. April 2013

Historisches

Der Brand des Kaufhauses Gerngross

Die Verkaufsfläche des Kaufhauses Gerngross betrug im Jahr 1979 rund 30.000 m². Im alten Teil des Kaufhauses sollte ein Umbau durchgeführt werden. Im Zuge dieser Arbeiten sollte eine alte Rolltreppe autogen abgetragen werden. Vor Beginn dieser Arbeiten wurde die gesamte Brandmeldeanlage abgeschaltet.

In den Abendstunden des 7. Februar 1979 hatten Schweißperlen einen kleinen Brand verursacht, der mit den bereitgestellten Mitteln der Ersten Löschhilfe rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Schneidearbeiten gingen weiter, und in der Folge fielen Funken in eine unbeachtet gebliebene Mauerspalte, in welcher sich Schmutz und Holzabrieb angesammelt hatte. Als im Zuge der Arbeiten diese Mauerspalte erweitert wurde, entstand schlagartig ein Brand, der rasch auf die Decke zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk übergriff. Die drei Schweißer sowie der Aufseher versuchten zunächst allein den Brand zu bekämpfen. Als die Männer erkennen mussten, dass sie gegen den Brand keine Chance mehr hatten, wurde um 22:41 vom Portier die Feuerwehr alarmiert.

Zu diesem Zeitpunk waren alle Kräfte der ersten Wahl verfügbar und deshalb konnten ein Rüstlöschfahrzeug der Nebenwache „Neubau“ sowie von der Hauptfeuerwache „Mariahilf“ ein Kommandofahrzeug, ein Rüstlöschfahrzeug, ein Universallöschfahrzeug und die Drehleiter zum Einsatzort 7., Kirchengasse 2 - 6 geordert werden. Um 22:46 Uhr traf das Rüstlöschfahrzeug „Neubau“ an der Einsatzadresse ein und begann sofort mit einem Löschangriff. Die Löschbereitschaft „Mariahilf“ wurde von anwesenden Arbeitern in das Haus Mariahilfer Straße 44 – 46 eingewiesen. Es wurden sofort zwei Rohre unter Atemschutz vorgenommen.

Da sich der Brand rasch ausbreitete, wurde vom Bereitschaftsoffizier um 22:54 Uhr „Alarmstufe 2“ und gleich darauf um 22:57 Uhr, als im zweiten Stockwerk Feuerschein zu sehen war, „Alarmstufe 3“ ausgelöst.

Die zweite Löschbereitschaft übernahm gemeinsam mit dem Rüstlöschfahrzeug „Neubau“ den Abschnitt Kirchengasse 6. Die dritte Löschbereitschaft hatte den Auftrag, ein Ausbreiten des Brandes in Richtung des Objekts Mariahilfer Straße 38 – 40 zu verhindern. Zu diesem Zweck waren 6 C-Rohre und drei Wendestrahlrohre in Verwendung. Weiters wurden an beiden Fronten (Kirchengasse und Mariahilfer Straße) Großtanklöschfahrzeuge mit Wasserwerfern im Außenangriff eingesetzt.

In der Zwischenzeit (23:09 Uhr) war vom Hauptinspektionsoffizier „Alarmstufe 4“ ausgelöst worden und es wurden die Bewohner der Häuser Mariahilfer Straße 36 sowie 38 und 40 evakuiert. Um 23:37 Uhr befanden sich die unteren drei Geschosse in Vollbrand. Es wurde „Alarmstufe 5“ ausgelöst. Einige Minuten später hatte sich der Brand über das letzte Geschoss bis auf das Dach ausgebreitet. Von der vierten und fünften Löschbereitschaft wurde die Aufgabe übernommen, den Brand von der Rückseite des Kaufhauses zu bekämpfen.

Als ein im Erdgeschoss gelegener Lagerraum für Verpackungsmaterial geöffnet wurde, setzte eine Schlagartige Verqualmung des Einsatzbereiches Lindenstraße ein. Durch die Qualmbildung wurden sowohl Hausparteien als auch die im Stiegenhaus und auf dem Dach des Hauses teilweise unter Atemschutz stehenden drei Löschgruppen überrascht. Die Bewohner des Hauses und teilweise auch Feuerwehrbeamte wurden über die Drehleitern „Döbling“ und „Zentrale“ in Sicherheit gebracht.

Um 23:57 Uhr wurde „Alarmstufe 6“ ausgelöst und Katastrophenalarm (Einberufung der Dienstfreien Mannschaft) gegeben. Zur Unterstützung der Kräfte der Wiener Feuerwehr waren von den umliegenden Freiwilligen Feuerwehren und der Niederösterreichischen Landes-Feuerwehrschule Tulln 50 Fahrzeuge mit einer Mannschaftsstärke von 196 Mann eingesetzt. Um 01:02 Uhr wurde vom Einsatzdirektor „Alarmstufe 7“ und um 01:21 Uhr „Alarmstufe 8“ ausgelöst. Von der siebenten und achten Löschbereitschaft wurde die Wasserversorgung für fünf Großtankfahrzeuge aufgebaut und Löschangriffe vom Haus Lindengasse 17 vorgetragen. Trotz aller Bemühungen der im Innenangriff befindlichen Kräfte fanden die Flammen bei der verwinkelten und unübersichtlichen Bauweise immer wieder einen Weg zum Ausbreiten.

Als ab etwa sechs Uhr morgens begonnen werden konnte, die erschöpften Kräfte durch die Beamten der anderen Dienstgruppe abzulösen, konnte man sich bei Tageslicht einen besseren Überblick über den Umfang des Großbrandes verschaffen. Zur Ruhe kamen die neuen Kräfte vorerst auch nicht. Im dritten und vierten Obergeschoss sowie im zweiten Kellergeschoss kam es zu einem neuerlichen Aufflammen. Dort nämlich, wo Bauschäden oder große Glutflächen den Zutritt von Löschkräften unmöglich machten, fanden die Flammen noch neue Nahrung.

Bis zum Abend des 8. Februar wurde an der Einsatzstelle noch mit drei Löschbereitschaften gearbeitet. Bei diesem Einsatz waren sämtliche Löschkräfte und Einsatzfahrzeuge der Wiener Berufsfeuerwehr tätig. Es waren 40 C-Rohre, fünf Wasserwerfer und sieben Wendestrahlrohre in Aktion. Für die Wasserversorgung wurden ca. 10.000 m Schlauchmaterial verwendet und 670 Mann waren abwechselnd mit 270 Pressluftatmern ausgerüstet. Obwohl der Brand in einem dicht bewohnten Gebiet stattfand, gab es unter der Bevölkerung keine Opfer.
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