Dienstag 21. November 2017

6. April 2013

Historisches

Der Brand des Hotels „Am Augarten“

Am 29. September 1979 ereignete sich in dem im zweiten Wiener Gemeindebezirk, in der Heinestraße 15, gelegenem Hotel „Am Augarten“ ein Brand, der als bislang schicksalsschwerster des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingegangen ist. Das folgenschwere Ereignis, bei dem letztlich 25 Tote zu beklagen waren, nahm in den frühen Morgenstunden des 29. September 1979 seinen Anfang.

Um 05:15 Uhr dieses Tages erhielt die Nachrichtenzentrale der Feuerwehr der Stadt Wien vom Informationsdienst der Polizei die Mitteilung von einem Brand im Hotel „Am Augarten“. Um 05:16 Uhr wurde die Löschbereitschaft „Leopoldstadt“ und das Rüstlöschfahrzeug „Brigittenau“ alarmiert. Während diese Kräfte zur angegebenen Adresse unterwegs waren, liefen die Notrufleitungen zur Feuerwehr heiß.

Ohne nun die Rückmeldung der erstausgerückten Kräfte abzuwarten, wie dies sonst üblich ist, wurde um 05:18 Uhr „Alarmstufe 2“ ausgelöst. Bei der Ankunft der Löschgruppe „Brigittenau“ um 05:21 Uhr schlugen Flammen aus den Fenstern und der Eingangstür der Hotelhalle. Aus zahlreichen Fenstern aller vier Geschosse der Fronten Heinestraße und Pazmanitengasse schrieen Menschen um Hilfe.

Als erste Maßnahme wurden zwei Schiebeleitern, die Drehleiter „Leopoldstadt“, eine Bockleiter und ein Springbalg – zum Teil mit Zivilisten besetzt – zur Menschenrettung eingesetzt, sowie ein Rohr zur Brandbekämpfung vorgenommen. Einige Minuten später traf die Löschbereitschaft „Leopoldau“ ein. Unter dem Stichwort „Menschen in Gefahr“ wurde um 05:23 Uhr „Alarmstufe 3“ und die Alarmierung von insgesamt fünf Drehleitern veranlasst.

Mittlerweile, nur 9 Minuten nach der ersten Anzeige, wurden nach dem In-Stellung-bringen von vier Drehleitern 35 Menschen aus dem dritten und vieren Stockwerk gerettet, über tragbare Leitern annähernd die gleiche Anzahl aus dem ersten und zweiten Stockwerk.

Während der Rettungs- und Bergungsarbeiten machte der Hausbesorger des Nebenhauses das Einsatzpersonal auf einen Lichtschacht aufmerksam, der verraucht war und aus dem er Hilferufe gehört hatte.

Bei der darauffolgenden Erkundung wurde festgestellt, dass man von der im Hochparterre gelegenen Hausbesorgerwohnung nach dem Wegschieben eines Kästchens durch ein Fenster in den Lichthof des Hauses Heinestraße 13 und von dort über eine etwa einen Meter hohe Mauerbrüstung auf den zwei Meter tiefer gelegenen Lichthof des Brandobjektes gelangen konnte.

Da es unmöglich war, eine Schiebeleiter in diesen Lichthof zu bringen, wurden Kombi- und Hakenleitern herangebracht mit deren Hilfe tatsächlich noch Menschen gerettet werden konnten. Beim Vorgehen in das Objekt wurde die Feststellung gemacht, dass Personen in rauchverqualmten Gängen und in verschlossenen Zimmern der Hoffront zu Tode gekommen sind.

Nach aufbrechen der verschlossenen Türen wurden 21 Personen tot vorgefunden, geborgen, ins Parterre geschafft und dort im Restaurant mit Leichentüchern und Decken abgedeckt.

In keinem einzigen Hotelzimmer, dessen Eingangstüre bei Brandausbruch geschlossen war, war es zu einem Brand gekommen. Es war also keiner der Hotelgäste verbrannt, sondern die Opfer waren an der toxischen Wirkung des Brandrauches zugrunde gegangen.

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