Freitag 21. Juli 2017

6. April 2013

Historisches

Der Brand der Nationalbank

Am 30. August 1979 brach in dem in Wien 9., Otto Wagner-Platz 3 befindlichen Gebäude der Nationalbank ein Brand aus, der sich rasch zu einem Großbrand riesigen Ausmaßes entwickelte.

Am 30. August 1979 lief um 02:52 Uhr bei der Polizei eine Störungsanzeige des Sicherheitsalarm über TUS ein, worauf ein Funkstreifenwagen zur Nationalbank entsandt wurde. Nach der von den Polizeibeamten durchgeführten Erkundung teilten sie ihrer Funkstelle mit, dass es im Nationalbankgebäude brenne und auch Flammen sichtbar seien. Um 02:57 Uhr wurde die Nachrichtenzentrale der Feuerwehr vom Informationsdienst der Polizei über die dritte Alarmleitung vom Brand verständigt.

Während des Alarmierungsablaufes wurde die Nachrichtenzentrale über einer der sechs Geschäftsnummern (nicht über Notruf!) von einem Kontrollbeamten der Nationalbank vom Brand verständigt. Besondere Hinweise, außer, dass es verraucht sei, erfolgten dabei nicht. Der Bereitschaftszug der „Zentrale“ hatte inzwischen um 02:59 Uhr die Wache verlassen.

Beim Eintreffen der Löschbereitschaft „Zentrale“ um 03:04 Uhr, vor dem Haupteingang, wurde bereits im Erdgeschoss eine leichte Verqualmung festgestellt. Auf Grund von Hinweisen des in der Bank beschäftigten Aufsichtspersonals wurde sofort eine Löschleitung unter Atemschutz über eine Nebenstiege des Osttraktes vorgenommen.

Bei näherer Untersuchung konnte bereits Flammenaustritt aus sämtlichen Fenstern im Hof des Osttrakes im fünften Stock wahrgenommen werden. Bei gleichzeitigem Vortragen weiterer Rohre wurde „Alarmstufe 2“ ausgelöst. Nach kurzer Zeit brachen Flammen aus einem gassenseitigem Fenster im fünften Stock (Alfred-Grünfeld-Gasse).

Sofort wurde die Drehleiter „Zentrale“ in Stellung gebracht und eine Löschleitung über diese vorgetragen. Da bereits die Löschbereitschaften „Hernals“ und „Döbling“ eingetroffen waren, wurde im Auftrag der Einsatzdirektion der Löschangriff von den beiden Löschbereitschaften unterstützt. Es wurden zwei Schlauchleitungen unter Atemschutz vom Osteingang über das Stiegenhaus vorgetragen. Von der Drehleiter „Hernals“ wurde zunächst ein Wendestrahlrohr eingesetzt. Als weitere Einsatzmaßnahme wurde der Löschbereitschaft „Hernals“ aufgetragen, die Löschwasserversorgung sicherzustellen.

Auf Grund der Intensität des Brandes wurden ab 03:32 Uhr drei weitere Alarmstufen von der Einsatzdirektion ausgelöst. Als Flammen aus den Fenstern im vieren Stock der Nordseite des Gebäudes drangen, wurde das Großtanklöschfahrzeug „Favoriten“ mit dem Wasserwerfer eingesetzt. Um ein Übergreifen des Brandes auf die im Westtrakt befindliche Banknoten- und Wertpapierdruckerei zu verhindern, wurde vom ersten bis zum achten Stock jeweils eine Löschleitung vorgenommen. Es wurden über die Drehleiter „Floridsdorf“ und die Drehleiter „Mariahilf“ ein Wasserwerfer an der nördlichen Seite des Gebäudes zum Einsatz gebracht.

Kurz darauf war durch die Hitze des Brandes die Hofabdeckung (Stahl-, Holz- und Glaskonstruktion) im Osttrakt eingestürzt. Von der Löschbereitschaft „Favoriten“ wurden weitere fünf Löschleitungen im vierten, fünften, sechsten und siebentem Stockwerk sowie drei Löschleitungen auf dem Dach eingesetzt.

Da nun der Brand auf das Dach übergegriffen hatte, wurde die Löschbereitschaft „Döbling“ an der Südseite eingesetzt. Von der Drehleiter „Döbling“ wurde in ca. 30 m Höhe am Dachsaum angeleitert und vom Sonderlöschfahrzeug „Döbling“ eine Löschleitung über die Drehleiter vorgenommen. Eine weitere Löschleitung wurde vom Rüstlöschfahrzeug „Döbling“ über eine Schiebleiter in das vierte Stockwerk vorgetragen.

Die erste Aufgabe der Löschbereitschaft „Mariahilf“ bestand darin, die Kräfte der Löschbereitschaft „Favoriten“ zu unterstützen, dass hieß einen vor dem Hauptportal (Otto-Wagner-Platz 3) in Stellung zu bringen und die Wasserversorgung zu garantieren. Anschließend wurde die Löschgruppe „Altmannsdorf“ zur Vornahme einer Löschleitung in das fünfte Stockwerk eingesetzt. Diese Löschleitung wurde sodann von einer Gruppe unter Atemschutz zur Brandbekämpfung in einer Bücherei eingesetzt. Trotz intensivster Brandbekämpfung wurde die Bücherei ein Raub der Flammen.

Um ca. 8 Uhr konnte der Brand lokalisiert werden, und die schrittweise Ablöse der Mannschaft mit der anderen Dienstgruppe wurde durchgeführt. Ab 9 Uhr übernahmen fünf Löschbereitschaften die weitere Brandbekämpfung. Um 13:32 Uhr waren die Löscharbeiten im Gebäude der Nationalbank soweit fortgeschritten, dass die Einsatzkräfte von „Alarmstufe 5“ auf „Alarmstufe 2“ verringert werden konnte. Um 13:53 Uhr wurde von der Einsatzdirektion die Meldung „Brand aus“ gegeben. Insgesamt waren von der Wiener Berufsfeuerwehr bei dem Großbrand 51 Gruppenfahrzeuge und 25 Sonderfahrzeuge mit 383 Mann eingesetzt.
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