Freitag 21. Juli 2017

6. April 2013

Historisches

Das neue Feuerwehrmuseum

Das Feuerwehrmuseum hat in Wien eine lange Tradition und wurde 1901 gegründet. In diesem Jahr hatte die Feuerwehr der Stadt Wien den Wunsch sich an einer internationalen Feuerwehrausstellung in Berlin zu beteiligen. Der Wiener Gemeinderat genehmigte die Kosten für die Teilnahme in seiner Sitzung am 11. April 1901 mit der Auflage, dass die Ausstellungsstücke danach auch in Wien gezeigt werden müssen. Diese Entscheidung war die Grundsteinlegung für das Wiener Feuerwehrmuseum.Bei der Präsentation in Berlin wurden eine Telegraphenstation, vier pferdebespannte Wagen eines Löschzuges, sowie weitere Fahrzeuge einer freiwilligen Feuerwehrfiliale (Feuerwache) aus Wien gezeigt. Darüber hinaus wurden zahlreiche Bilder, Plastiken und andere Gegenstände aus der Feuerwehrpraxis gezeigt. Die Ausstellung in Berlin fand großes Interesse und bei der am 4. August 1901 stattgefundenen Sitzung der Preisrichter verlieh man der Wiener Berufsfeuerwehr den 1. Preis. Es war eine goldene Medaille mit dem Porträt der Kaiserin Auguste Victoria verbunden mit einem Preisgeld von 300,- Mark. Durch diese in Berlin gezeigte Schau erlangte die Wiener Berufsfeuerwehr Weltruf, der sich im 20. Jahrhundert durch Weiterentwicklungen in der Löschtechnik und auf dem Ausrüstungssektor noch verstärken sollte. Nach dem die Objekte aus Berlin zurückgekehrt waren, wurden sie im November des selben Jahres noch für zwölf Tage in der Volkshalle des Wiener Rathauses gezeigt. Die Eröffnung fand in Anwesenheit von Bürgermeister Karl Lueger statt und neben den insgesamt etwa 50.000 Besuchern kam auch Kaiser Franz Josef um sich die Schau anzusehen. Mit Ausnahme der Fahrzeuge bildeten jene, damals gezeigten Objekte den Grundstock für das Feuerwehrmuseum. Sie wurden in weiterer Folge in der Feuerwehrzentrale, im Haus Am Hof 10, im zweiten Stock untergebracht. Für die künstlerische Gestaltung der Ausstellung der etwa sechzig Objekte war der damalige Direktor der städtischen Sammlungen, Karl Glossny, verantwortlich. Als sich im Jahr 1918 der Mannschaftsstand der Feuerwehr erhöhte, wurden die Museumsräume in Schlafräume umgebaut und die Sammlung auf der Feuerwache Neubau eingelagert. Erst im Jahr 1923 konnte das Museum wieder dauerhaft im Gebäude Am Hof 10 untergebracht werden. Mit der neuerlichen künstlerischen Gestaltung wurden namhafte Künstler, wie die Maler Anton Babion und Friedrich Lach oder der Bildhauer Joseph Josephu, betraut. Verluste und Neugestaltung Bis 1944 blieb das Feuerwehrmuseum an seinem Standort Am Hof, bis es schließlich aus Sicherheitsgründen ausgelagert werden sollte. Die Schaustücke wurden in insgesamt elf Kisten verpackt und ins Schloß Seefeld bei Haugsdorf gebracht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieben die Kisten vorerst verschwunden. Über die Direktion der städtischen Sammlungen konnten später sieben dieser Kisten sichergestellt und der Feuerwehr wieder übergeben werden. Im Jahr 1948 wurden im Keller einer Schule im dritten Bezirk, welche in den Kriegstagen durch Bomben beschädigt wurde, fünf Gemälde aufgefunden. Es waren unter anderem die Bilder „Brand des Ringtheaters“, „Brand der Rotunde“ und „Beim Kommandanten“. Insgesamt wiesen aber zahlreiche der wiedergefundenen Stücke großen Restaurierungsbedarf auf. Mitte der 1960er Jahre wurden die Bemühungen das Wiener Feuerwehrmuseum in neuem Glanz erstrahlen zu lassen intensiviert. Schließlich wurde das Museum 1969 unter Bürgermeister Bruno Marek wiedereröffnet. In den folgenden Jahren gab es immer wieder kleinere und größere Umgestaltungen, wie zum Beispiel 1986 anlässlich der Feier des 300-jährigen Bestehens der Berufsfeuerwehr Wien. Renovierung und Wiedereröffnung Im Zuge der Generalsanierung der Zentralfeuerwache in den Gebäuden Am Hof 7, 9 und 10, wo bereits seit 2006 Vorbereitungen für den Umbau bei laufendem Feuerwehrbetrieb stattfinden, wurden nun die Räume des Museums umfassend saniert, historische Bauelemente restauriert und die Haustechnik modernisiert. Dazu war es notwendig den gesamten Bestand des Museums in unser Depot auf der Hauptfeuerwache Floridsdorf auszulagern und den kompletten Inhalt unseres Archivs zwei Mal zu übersiedeln. Das Gebäude Am Hof 7, in welchem sich das Feuerwehrmuseum befindet, wird auch Märkleinsches Haus genannt und wurde in den Jahren 1727 bis 1730 nach einem Entwurf von Lukas von Hildebrandt für Christoph von Märklein erbaut. Der Festsaal mit seinem vorgelagertem Balkon zum Platz Am Hof und seiner imposanten Stuckdecke aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde wieder in seinen ursprünglichen historischen Zustand gebracht und bietet jetzt den idealen Rahmen für die Gemäldesammlung des Museums. Der Saal auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes, welcher Richtung Tiefer Graben weist, wurde zusätzlich mit moderner Medientechnik versehen, um ihn auch für Veranstaltung der Feuerwehr nutzen zu können. Durch die Überdachung des Innenhofes wurde ein zusätzlicher Raum geschaffen, welcher jetzt als zentraler Mittelpunkt des Museums dient. Durch den Umbau war es außerdem möglich einen barrierefreien Zugang herzustellen und den Eingangsbereich des Museums besucherfreundlicher zu gestalten. Die Sammlung In acht Schauräumen zeigen historische Uniformen, Geräte, Fotos, Gemälde und Dokumente die mehr als drei Jahrhunderte alte Geschichte der Berufsfeuerwehr der Stadt Wien. Die Entwicklung von den mittelalterlichen Feuerknechten mit ihren Holzkastenspritzen zu unserem heutigen Einsatzpersonal mit moderner Schutzausrüstung und Hightech-Equipment kann so hautnah mitverfolgt werden. Durch das größere Platzangebot besteht nun die Möglichkeit Objekte zu zeigen, welche teilweise noch nie der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Ebenso wurden zahlreiche Gegenstände für die Neueröffnung restauriert und erstrahlen nun wieder in neuem Glanz. Besonders hervorzuheben ist hier die Restauration unserer beiden größten Gemälde: „Der Brand des Ringtheaters“ und „Der Brand der Rotunde“. Neben den Ölgemälden verfügt das Museum auch über eine breitgefächerte Auswahl an Aquarellen, Zeichnungen, Fotographien, bis hin zu seltenen Glasplattennegativen aus der Zeit vor 1900. Weitere Schwerpunkte in unserem Bestand sind eine Kollektion von bedeutenden Bronzeskulpturen (unter anderem von Josephu, Charlemont, Pendl und Schröer), eine umfangreiche Sammlung von Fahrzeugmodellen in unterschiedlichen Maßstäben, sowie Gerätschaften aus dem Bereich des Atemschutzes und der Nachrichtenübermittlung. Aus Letzterer ist vor allem die originalgetreue Nachbildung der Türmerstube zu St. Stephan hervorzuheben, welche bis zum 31. Dezember 1955 in Betrieb war. Über 400 Jahre lang war sie der Dienstort eines Feuerwächters, welcher die Aufgabe hatte nach Bränden Ausschau zu halten und im Falle eines Brandes für die Verständigung der Feuerwehr zu sorgen. Helme und Römer Einen neuen Akzent in der aktuellen Ausstellung bildet die Leihgabe von Manfred Mischinger, Hauptbrandmeister i. R. Der bekannte Sammler historischer Helme und Autor des Buches „Die österreichischen Feuerwehrhelme – von der k. u. k. Monarchie bis heute“ zeigt einen repräsentativen Schnitt durch die Entwicklung der Feuerwehrhelme. Die gezeigten Stücke reichen von einem aus einem Stück Leder gefertigtem Feuerwehrhelm von etwa 1800, über einen Inspektorenhelm der Berufsfeuerwehr Wien aus dem Jahr 1900 bis hin zu einem südkoreanischen Mannschaftshelm aus Kunststoff aus dem Jahr 2010. Eine Sonderausstellung der Stadtarchäologie Wien zeigt Fundstücke, welche bei Grabungsarbeiten im Zuge des Umbaues gefunden wurden. Unter den gezeigten Grabungsfunden befinden sich Münzen, Gefäße, ein Kinderamulett und ein verzierter Messergriff. Da an mehreren Stellen gegraben wurde, konnten auch neue Erkenntnisse zu der genaueren Lage der Gebäude innerhalb des Römerlagers gemacht werden. Feierliche Eröffnung des Museums am 1. Juni 2010

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