Dienstag 21. November 2017

6. April 2013

Seminare

Technische Einsätze im Gleisbereich der ÖBB

Abschluss des Fortbildungsprogramm der Berufsfeuerwehr Wien „Technische Einsätze im Gleisbereich der ÖBB“
In den letzten Jahren wurden bei der BF Wien die Gerätschaften für schwere technische Einsätze erneuert und in das Ausbildungsprogramm der Feuerwehrmänner eingebunden. Weiters wurden die Wechselaufbauten auf denen sich diese Geräte befinden in Schulungen den Mitarbeitern der MA 68 vorgestellt. Ende des Vorjahres ergab sich nun die Gelegenheit, dass seitens der ÖBB einige beschädigte und auszuscheidende Fahrzeuge zur Verschrottung freigegeben wurden. Diese Wagen wurden der Berufsfeuerwehr zur Übungszwecken zur Verfügung gestellt. Von der Berufsfeuerwehr Wien, der Wiener Rettung und den Österreichischen Bundesbahnen wurde darauf hin ein umfassendes einsatzbezogenes Schulungs- und Übungsprogramm für den Sommer 2006 vorbereitet und auch durchgeführt. Das Übungsszenario wurde auf einem Gelände der ÖBB im 11. Wiener Gemeindebezirk hergestellt. Zur Verfügung gestellt wurden ein doppelstöckiger Steuerwagen und ein Personenwagen mit ca. 47 000 kg Eigengewicht, zwei einstöckige Personenwagen mit einem Eigengewicht von ca. 34 000 kg sowie ein Güterwagen.

Das Schulungsprogramm fand in drei Etappen statt: Theoretische Schulungen in den Sektionen Praktische Schulungen an den Geräten am Übungsgelände Fünf Abschlussübungen am Übungsgelände Schwerpunkte der theoretischen Schulungen waren Sicherheitsgrundsätze bei Einsätzen im Gleisbereich und die Kommunikation zwischen den ÖBB und den Einsatzorganisationen im Einsatzfall. Bei den praktischen Schulungen lag das Augenmerk bei der Personrettung unter Einsatzbedingungen.

Um das Szenario für die Schulungen realistisch zu gestalten wurden die Personenwagen und der Güterwagon ineinander verschachtelt (umgeworfen, angehoben und verformt), und als Zugsunfall arrangiert. Dadurch ergab sich die Möglichkeit verschiedene Personenrettungselemente mit hydraulischen Rettungswerkzeugen und mit hydraulischen und pneumatischen Hebegeräten vom leichten bis zum schwierigen Grad durchzuführen. Der Transport von verletzten Personen aus den liegenden, aufgestellten oder verkeilten Waggons heraus konnte ebenfalls geübt werden. Insgesamt nahmen an diesen Schulungen 350 Feuerwehr- und 50 Rettungsleute teil. Die Resonanz der Teilnehmer war sehr positv, da bei den Übungen die verschiedenen Möglichkeiten der einzelnen Geräte gezeigt und auch die Einsatzgrenzen ausgelotet werden konnten. Als Abschluss des Fortbildungspaketes gab es jeweils 4 Großübungen und eine etwas kleinere aber selektive Nachtübung. Bei den Übungen konnten die zuvor gelernten bzw. aufgefrischten Fähigkeiten unter Einsatzbedingungen umgesetzt werden. Bis zu 30 Personen oder Übungspuppen mit unterschiedlichen Verletzungsgraden kamen in die Unfallfahrzeuge und wurden zum Teil eingeklemmt oder in nicht zugänglichen Bereichen eingeschlossen. Bei den Einsatzübungen waren nicht nur der technische Einsatz und die Zusammenarbeit zwischen den Einsatzorganisationen ein Schwerpunkt, vielmehr wurde auch die Zusammenarbeit mit den österreichischen Bundesbahnen durchgespielt.

Geübt wurde die Kommunikation mit dem zuständigen Notfallsbereichsbahnhof in der Anfangsphase des Einsatzes und in weiterer Folge die Zusammenarbeit mit dem Einsatzleiter der ÖBB vor Ort. Weitere Schwerpunkte waren hier das Einstellen der Verkehrs, das Abschalten der beschädigten Oberleitungen und die Erdung der selben, sowie das Aufstellen von Sicherungsposten bis zur Herstellung eines sicheren Zustandes an der Einsatz(Übungs)stelle, der ein für die Einsatzkräfte sicheres Arbeiten gewährleisten soll.

Für die Einsatzleiter und das Führungspersonal der teilnehmenden Organisationen galt es in diesem unübersichtlichem Gelände die eigenen Kräfte gut zu positionieren und zielgerecht einzusetzen. Die Ordnung des Einsatzraumes (Aufstellbereiche, Verletztensammelbereiche, etc) war auf Grund der beengten Platzverhältnisse nicht einfach zu bewältigen und wurde von Übung zu Übung unterschiedlich gelöst. Die Kommunikation mit den eigenen Kräften sowie den anderen Einsatzorganisationen sei hier auch als eines der Übungsziele angeführt. Für die an den Übungsplätzen eingesetzten Mitarbeiter waren die Schwerpunkte: Schaffen von Zugangsöffnungen zu den Eingeschlossenen, die Betreuung und das Befreien von Verletzten, der patientengerechte Transport aus den Wagen und die Zusammenarbeit mit dem Notarzt oder Sanitäter bis zur vollständigen Übergabe eines Verletzten.

An den Einsatzübungen nahmen 300 Feuerwehr- und 60 Rettungsleute, sowie die örtlich zuständigen Mitarbeiter der ÖBB teil. Die Resonanz der Teilnehmer war auch hier sehr positiv, da in den Anfangsphasen der Übungen ein Überraschungseffekt durch die Schadensstellen und die Anzahl der Verletzten gegeben war. Einige Personen haben nach der Übung bemerkt, dass sie nun seit über zwanzig Jahren bei der Feuerwehr sind, bei vielen Übungen dabei waren aber noch keine so realistisch und spektakulär gewesen ist. Andere taten im Nachhinein kund, dass sie einen leichten Frust haben, weil sie an den Übungen nicht teilnehmen konnten.

Die Erfahrungen und Schlussfolgerungen die aus der Sicht der Übungsleitung zu ziehen sind stellen sich wie folgt dar: Es ist grundsätzlich eine jede der fünf Übungen unterschiedlich mit verschiedenen Stärken und Schwächen in den verschiedenen Hierarchien und Organisationen verlaufen, sodass eine jede Übung eigens zu bewerten ist. Man kann jedoch daraus folgern, dass es hier eine Vereinheitlichung der Vorgangsweise für derartige Großeinsätze mit einem Massenanfall von Verletzten geben muss. Diese unterschiedlichen Vorgangsweisen resultieren natürlich auch durch die verschiedenartigen Gegebenheiten bei den einzelnen Übungen, da das eine Mal die ÖBB schon einen sicheren Arbeitsbereich geschaffen hatte, das andere Mal ca. 10 Minuten auf das Abschalten und Erden gewartet werden musste. Bei einigen Übungen war der Rettungsdienst als erster vor Ort, das nächste Mal die Feuerwehr und so entwickelte sich der Einsatz auch ganz anders. Auch das Auffinden von Verletzten und vor Allem das Sichten vor Verletzten stellte sich für die Feuerwehren als sehr schwierig dar.

Die Zusammenarbeit mit der ÖBB funktionierte reibungslos. Die Zusammenarbeit mit der Wiener Rettung funktionierte ebenfalls sehr gut. Es gab jedoch zu Beginn der Einsätze einen leichten Engpass bei den Schnittstellen Bergetriage und Verletztentransport. Diese Engpässe sind darauf zurückzuführen, dass die Wiener Rettung und auch die Feuerwehr nicht ausreichend Personal für diese Übungen zur Verfügung stellen konnten. Eine Beschickung der Übungsstelle mit dem für dieses Szenario erforderlichem Personal würde den normalen Einsatzbetrieb sprengen. Die Schnittstellenproblematik wurde jedoch durch Improvisation geschickt umgangen und verbesserte sich deutlich, je mehr die Gesamtsituation überblickt werden konnte. Die eingesetzten Feuerwehrkräfte waren mit voller Motivation bei der Sache und man kann sagen, dass die Grundaufgaben der Feuerwehr wirklich sehr gut beherrscht wurden. Der Umgang mit den Geräten, der Löschfahrzeuge und auch der Sonderfahrzeuge stellte keine Probleme dar. Auch die Zusammenarbeit in der Gruppe war sehr zufriedenstellend. Als Ansatzpunkt für etwaige Weiterbildungen darf hier jedoch der Umgang mit den Verletzen erwähnt werden. Die Personenrettungen waren einerseits „lehrbuchmäßig“ was die Kommunikation mit den Patienten und den achsengerechte Transport der Unfallopfer anbelangte. Andererseits waren vereinzelt auch „Crashbergungen“ zu sehen. Zu relativieren ist diese Tatsache insoferne, als je Löschgruppe im Schnitt zwischen 3 und 5 Personenrettungen durchzuführen hatte. Mit fortlaufender Einsatzdauer bzw. bei der Bergung der Übungspuppen war eben dann mitunter eine Ho-Ruck Aktion zu sehen. Die Einsatzübungen und das im Vorfeld stattgefundene Übungsprogramm hatten eine Vorlaufzeit von einem Jahr. Die aus den Übungen gewonnenen und für die Einsatztätigkeit relevanten Erkenntnisse werden nun im Detail aufgearbeitet und sollen in das Aus- und Weiterbildungsprogramm der Organisationen miteinbezogen werden. Die Übungsleitung möchte sich bei allen Personen die an der Vorbereitung zu diesem Programm mitgearbeitet haben sowie bei allen Teilnehmern für die Unterstützung und Mitwirkung recht herzlich bedanken. Ing. Turetschek Werner, BK Gerhard Pober, BR PS.: Anregungen für das Programm 2007 werden jederzeit gerne entgegengenommen
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