Samstag 25. März 2017

6. April 2013

Seminare

Psycho-Soziale Erste Hilfe nach außergewöhnlich belastenden Ereignissen

AkutBetreuungWien hilft Betroffenen
Immer wieder kommt es im Leben von Menschen zu außergewöhnlichen Lebenssituationen, die sehr belastend sein können und durch die sie ganz plötzlich aus ihrem gewohnten Alltag gerissen werden. Seit 1999 gibt es eine Institution der Stadt Wien, die Menschen beisteht, wenn sie ein außergewöhnlich belastendes Ereignis erlebt haben. Die AkutBetreuungWien (ABW) unterstützt diese Betroffenen, Angehörigen, Freunde, Arbeitskollegen, Augenzeugen in den ersten Stunden direkt vor Ort mit dem Ziel, die akute Belastung zu verringern und Folgeerkrankungen zu verhindern. Einige typische Beispiele: Fall 1: Frau Z. möchte wie jeden Morgen in der Früh ihre 8 Monate alte Tochter aufwecken – dieses ist blau im Gesicht und bewegt sich nicht mehr. Der herbeigerufene Notarzt kann nur noch den Tod feststellen – Verdachtsdiagnose: plötzlicher Kindstod. Zurück bleiben verzweifelte Eltern, die es nicht fassen können, dass ihre Tochter – die doch immer gesund war – plötzlich tot ist. Gequält werden sie zudem noch von Schuldgefühlen (wenn sie in der Nacht doch nur nochmals nach ihr geschaut hätten!). In solchen Fällen verständigt der leitende Notarzt von vor Ort die Zentrale der Wiener Rettung und zwei MitarbeiterInnen der ABW werden alarmiert. Fall 2: Auch zu Frau H. und ihrem 15-jährigen Sohn werden die MitarbeiterInnen der ABW gerufen. Beide können es nicht fassen, dass der Gatte und Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Vor einer Stunde hat er doch noch gelebt, hat sich wie immer von ihnen verabschiedet und versprochen, zum Abendessen wieder zu Hause zu sein. Fall 3: Das Ehepaar Y. wurde völlig unvorbereitet von einem Wohnungsbrand überrascht. Sie selbst konnten von Kollegen der Wiener Berufsfeuerwehr gerettet werden, allerdings ist ihre Wohnung total ausgebrannt. Fassungslos stehen sie vor dem Wohnhaus - es kommt ihnen die Situation wie ein Film vor, sie können es nicht glauben. Auch die Nachbarwohnungen sind betroffen und die Bewohner müssen vorübergehend evakuiert werden. Ein Fall für die ABW! Nach größeren Unglücksfällen verändert sich das Leben der Betroffenen innerhalb von wenigen Augenblicken dramatisch.. Plötzliche tragische Todesfälle, schwere Verkehrs – und Arbeitsunfälle, Mord/Selbstmord, Großschadensereignisse, Naturkatastrophen, Brände/Explosionen und Betreuung von Helfern nach besonders belastenden Einsätzen können Anlass für einen ABW-Einsatz sein. Menschen sind außergewöhnlich belastenden Ereignissen oftmals schutz – und hilflos ausgesetzt sind, da ihre gewohnten Verhaltensweisen und Reaktionen zur Bewältigung nicht ausreichen. Unmittelbar nach einem solchen Ereignis fühlen sich diese Menschen oft ... orientierungslos und ratlos aufgewühlt ängstlich unfähig, alltägliche Handlungen auszuführen traurig, verzweifelt und schuldig am Ereignis, auch wenn das nicht der Fall ist. Es handelt sich dabei um normale Reaktionen auf ein nicht normales Ereignis. Die meisten Menschen bewältigen diese in den nächsten Tagen und Wochen. Wissenschaftliche Studien zeigen zudem auch, dass bis zu einem Fünftel der Betroffenen durch solche extreme Stresssituationen erkranken können. Man spricht dabei von einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Diese äußert sich dadurch, dass man ... schlecht schläft das Gefühl hat, nicht zur Ruhe zu kommen sich häufig ungewollt an das Ereignis erinnert Situationen, Orte oder Tätigkeiten vermeidet, die an das Ereignis erinnern sich seiner Umwelt gegenüber betäubt fühlt, gleichgültig bleibt und teilnahmslos ist verstärkt Alkohol trinkt und/oder Medikamente einnimmt. Die ABW trägt durch ihre Tätigkeit auch zu einer Entlastung der anderen Einsatzorganisationen bei, sodass diese ihren eigentlichen Aufgaben wie z.B. bergen, verarzten, löschen, sichern, ermitteln usw. nachkommen können und die Einsatzkräfte die Gewissheit haben, dass die Betroffenen mit dem Erlebten nicht allein gelassen werden. Ausschlaggebend für die Alarmierung ist nicht die Anzahl der Betroffenen, sondern der Schweregrad der möglichen Traumatisierung. Davon ist auch die Dauer eines ABW-Einsatzes abhängig. Die Aufgabe der MitarbeiterInnen der ABW ist es, Menschen in den ersten Stunden nach einem außergewöhnlich belastenden Ereignis zu begleiten, indem sie unter anderem ... sich Zeit nehmen und zuhören auf momentane Bedürfnisse eingehen helfen, Emotionen auszudrücken und diese als normale Reaktionen auf ein nicht normales Ereignis anzunehmen helfen, das unfassbare Ereignis zu verbalisieren und zu ordnen Beistand leisten beim Abschied nehmen von verstorbenen Personen. Das Ziel einer Psycho-Sozialen Ersten Hilfe durch die MitarbeiterInnen der ABW ist es, ... zu erreichen, dass sich die Betroffenen emotional stabilisieren zu erreichen, dass die Betroffenen ihre Handlungsfähigkeit wiedererlangen Angehörige, die von dem Ereignis nicht direkt betroffen sind, zu unterstützen und aufzuklären zu psycho-sozialen Nachbetreuungseinrichtungen (z.B. zu Psychotherapie) zu vernetzen. Die MitarbeiterInnen der ABW wurden speziell ausgebildet, arbeiten selbst als PsychologIn/PsychotherapeutIn/SozialarbeiterIn oder sind in einem anderen sozialen Beruf (zB. in Einsatzorganisationen) tätig. Mit Juli 2002 stehen für Einsätze der ABW 63 Teammitglieder zur Verfügung. Träger des Projektes ist die Magistratsdirektion – Stabsstelle für Krisenmanagement und Sofortmaßnahmen. Die ABW kann durch die Wiener Berufsrettung, Bundespolizei oder Wiener Berufsfeuerwehr rund um die Uhr angefordert werden. Die Alarmierung erfolgt über die Wiener Berufsrettung. Die MitarbeiterInnen sind am Einsatzort mit ihren grünen Signaljacken, Kappen und Ausweisen leicht erkennbar. Die Einsätze sind für die Betroffenen kostenfrei. Die steigenden Einsatzzahlen der AkutBetreuung Wien zeigen den Bedarf einer psycho-sozialen Ersten Hilfe für die Betroffenen nach einem außergewöhnlich belastenden Ereignis. Die Erfahrung zeigt auch, dass die Betroffenen in den meisten Fällen das Angebot einer psychologischen Betreuung vor Ort gerne in Anspruch nehmen. Die AkutBetreuung Wien versteht ihre Tätigkeit als präventive Maßnahme gegen die Entstehung von Akuten Belastungsreaktionen, Posttraumatischen Bestlastungsstörungen und anderen Folgeerkrankungen wie z.B. Alkoholmissbrauch oder Depressionen. Auskünfte : Magistratsdirektion der Stadt Wien – Krisenmanagement und Sofortmaßnahmen Rathausstraße 1 A-1082 Wien Tel: +43-1-4000-75232 Fax: +43-1-4000-7174 Internet: http://www.wien.gv.at/sicherheit/
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