Sonntag 19. Februar 2017

6. April 2013

Seminare

Einsatzübung „Gebäudeeinsturz“ im Tritolwerk

BK Werner Turetschek
Am 26. und 27. September d.J. wurde im Tritolwerk in Niederösterreich eine Einsatzübung des Referates F 4 durchgeführt. Als Übungsziele wurden folgende Punkte definiert: · Fortbildung der Technischen Hilfsdienst – Ausbildner in einem Bereich, der bis dato nur theoretisch in Form von einsatztaktischen Richtlinien geschult wird (Bauunfall, Einsturz, usw.). · Praktisches Erproben der taktischen Regeln für Gebäudeeinstürze und der diversen Einsatztechniken für die Rettung von Personen aus schwierigen Lagen. · Auffrischung des praktischen Arbeitens mit den Sondergerätschaften (WSW, KRF, usw.) im Hinblick auf mögliche Funktionen als Fahrzeugkommandant. · Zusammenarbeit mit der neu gebildeten Schallortungsgruppe und Eigentraining für die Mitglieder dieser Sondereinsatzgruppe. · Kennenlernen von anderen Organisationen und Einheiten (MA 70 und Rettungshunde) sowie die Zusammenarbeit mit diesen. Das Szenarium wurde auf dem Gelände des Tritolwerkes (Übungsgelände der ABC-Abwehrschule des Österr. Bundesheeres) in NÖ/ Theresienfeld errichtet, welches nunmehr schon seit sieben Jahren für die Ausbildung des Technischen Hilfsdienstes herangezogen werden kann. Die ehemalige Munitionsfabrik weist mit den zahlreichen Schadensstellen und insbesonders den teileingestürzten Bauwerken hervorragende Bedingungen für die „Such- und Rettungsausbildung“ der Feuerwehr auf. Als eigentliches Übungsobjekt wurde ein zweigeschossiges Bürogebäude ausgewählt, dass durch eine Fliegerbombenangriff im zweiten Weltkrieg schwer zerstört und teileingestürzt ist. Die Übungsannahme war ein Gebäudeeinsturz nach einer Gasexplosion, wobei zwei Personen verschüttet, vier Personen eingeklemmt bzw. teilverschüttet (aber sichtbar), vier Personen schwer verletzt (frei liegend in höheren oder tieferen Lagen) und eine Person leicht verletzt wurden. Eine Person war bereits vor der Ankunft der Einsatzkräfte seinen Verletzungen erlegen (Darstellung mit Übungspuppe). Durch die Explosion war es zusätzlich zu einem Folgebrand eines PKW gekommen. Die Darstellung der Figuranten wurde von Mitgliedern des Katastrophenhilfsdienstes des WLFV, Mitgliedern der Freiw. Feuerwehr Wr. Neustadt sowie Mitglieder der Akutbetreuung Wien übernommen. Durch eine vor der Übung abgehaltene Einschulung der Figuranten durch Sanitäter der MA 70 wurden die Einsatzkräfte mit sehr realistischen Reaktionen von Verletzten konfrontiert. An der Übung selbst nahmen ca. 70 Einsatzkräfte mit 20 Fahrzeugen teil. Die Übung wurde in mehreren Phasen durchgeführt: Phase 1: Sicherung der Einsatzstelle inkl. Brandbekämpfung. Phase 2: Medizinische Betreuung und Rettung von Verletzten an leicht zugänglichen Stellen. Phase 3: Medizinische Betreuung und Befreiung und Rettung der eingeklemmten bzw. teilverschütteten Verletzten. Phase 4: Ortung der Verschütteten mittels Suchhunde und Schallortungsgeräten. Phase 5: Freilegen eines Zuganges zu den Verschütteten. Phase 6: Medizinische Betreuung und Rettung der Verschütteten. Um in das Objekt zu gelangen, mussten sich die Einsatzkräfte erst Wege suchen bzw. mit schwerem Gerät schaffen. Die Rettung der Verletzten musste teilweise über Schiebleitern und mit der Drehleiter in Verbindung mit dem Flaschenzug erfolgen. Um die Drehleiter in Stellung bringen zu können, war es erforderlich die Aufstellfläche durch wegziehen eines beschädigten Lkw` s freizulegen. Da die Verletzten vor der eigentlichen Rettung durch den Notarzt erstversorgt werden mussten, war es auch notwendig, das medizinische Personal über Drehleitern in das Objekt zu bringen. Ein Schwerverletzter musste während des Transportes mit der Drehleiter und dem Flaschenzug künstlich beatmet werden, was die gleichzeitige Mitnahme des Notarztes hängend an der Rettungswanne notwendig machte. Zwei Verletzte waren bei dem Einsturz gepfählt bzw. eingeklemmt worden, was zusätzlich den Transport hydraulischer Rettungsgeräte in das Objekt und das Herstellen einer Stromversorgung erforderte. Auch die Befreiung der Verschütteten war eine Herausforderung. Teilweise konnte nur unter Einsatz des Kranfahrzeuges und pneumatischen Bohr- und Stemmwerkzeuge eine Befreiung erfolgen. Der Einsatz der Rettungshunde und der Schallortung war ebenfalls eine voller Erfolg. Die Lage der beiden Verletzten konnte jedes Mal auf einen sehr engen Bereich eingegrenzt werden. An einem Übungstag war dies besonders schwierig, da zwei Verschüttete in verschiedenen Räumen übereinander lagen. Als eine Person gerettet war und der Suchhund an der gleichen Stelle nochmals anschlug, glaubte ein jeder an eine Fehlanzeige. Doch nicht das Tier sonder der Mensch irrte. Die Schallortung bestätigte letztlich die Anzeige des Suchhundes. An diesem kurzem Bericht zeigt sich, dass diese Übung eine echte Herausforderung für alle Einsatzkräfte war. Die Anstrengungen im Zuge der Vorbereitungsarbeiten wurde durch die Begeisterung der Übungsteilnehmer abgegolten. Mit diesem Bericht möchte sich das Referat F 4 bei allen Mitwirkenden recht herzlich bedanken.
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