Dienstag 28. März 2017

6. April 2013

Sport/Kultur

Der lange Weg nach Hamburg

Rückblick von Karl Mauser
Kurz nach meiner Pensionierung, im Februar 2000, fasste ich den Entschluss einen Traum zu verwirklichen und eine längere Wanderung zu wagen. Nach Studium einschlägiger Literatur entschied ich mich für das Ziel Hamburg über den internationalen Wanderweg E 6. Dafür veranschlagte ich ca. 80 Tage bei einer täglichen Strecke von 20 Kilometern. Nun ging es an die Logistik. Pläne mussten beschafft und kopiert werden. Für die gesamte Wegstrecke benötigte ich siebzehn Karten. Die Kopien waren für meine Frau sehr wichtig. Da ich täglich zuhause anrief, konnte sie genau mitverfolgen wo ich gerade wanderte. Die gesamte Wanderausrüstung wurde eingekauft. Der gepackte Rucksack hatte dann ca. 20 Kg, mit Verpflegung und Wasservorrat hatte ich oft 23 Kg zu tragen. Am 7. April 2000 war es dann so weit. Um 0900 Uhr startete ich vom Stephansplatz aus zu meiner langen Tour, Die erste Etappe bis nach Höflein begleitete mich meine Frau. Ab dem zweiten Tag war ich nur mehr auf mich gestellt und hatte auch keinen Gesprächspartner mehr. Die ersten acht Tage wanderte ich ohne Pause entlang der Donau bis Spitz und dann über das Waldviertel bis nach Liebenau in Oberösterreich. Das Wetter war teilweise sonnig, teils regnerisch. Die erste Pause war notwendig. Da die Oberösterreichische Stadt "Freistadt" in der Nähe lag, fuhr ich hin und besichtigte diese schöne Kleinstadt. Nach zwei Tagen Ruhepause wanderte ich die nächsten elf Tage wieder durch und kam bis nach Kötzting in Bayern. Da hatte ich eine Pause schon dringend nötig. An der Österreichisch Bayrischen Grenze musste ich die Berge verlassen, da ca. ein Meter Neuschnee gefallen war, und ich nicht mehr weiter konnte. Nach ein paar Tagen Pause in Kötzting wanderte ich dreizehn Tage zügig durch Bayern bis nach Coburg. Dort konnte ich bei einem Verwandten übernachten. Nun hatte ich bereits den Bayrischen Wald und das Fichtelgebirge durchschritten. Auch war ich froh endlich von der Tschechischen Grenze weg zu sein, da ich sehr oft vom Deutschen Grenzschutz kontrolliert wurde (Auch in Österreich von der Grenzgendarmerie). Die nächsten vier Tage gingen dann durch die Rhön und Bayern lag hinter mir. Jetzt ging es an der ehemaligen DDR Grenze zügig nach Norden. Über Hessen und Thüringen kam ich in das Harzgebiet in Niedersachsen, Dort habe ich auch viele Verwandte. Die waren sehr um mich bemüht, so konnte ich einige Nächte bei ihnen verbringen. Sie brachten mich jeden Tag mit dem Auto zum Wanderpunkt und holten mich am Abend wieder ab. In Thüringen hatte ich leider einen Unfall. Bei strömenden Regen stürzte ich eine steile Wiese hinab und zog mir am rechten Oberschenkel einen Muskelfaserriss zu. Drei Ärzte musste ich bis Hamburg konsolidieren. Den Weg konnte ich nur mehr mit starken Medikamenten fortsetzen. Nachdem der Harz hinter mir lag, wurde das Wetter heißer und heißer. Jetzt lag nur mehr die Norddeutsche Tiefebene vor mir. Mit Schmerzen im Bein wanderte ich bis Celle, wo eine Cousine von mir lebt. Aufgrund meiner Schmerzen wollte ich schon aufgeben. Meine Cousine schleppte mich zu einen Orthopäden. Den Arzt befragte ich genau ob ich noch weiter wandern könnte. Seine Antwort lautete: "Mir tut der Fuß ja nicht weh, wenn sie wollen dann gehen sie". Mit dieser Aussage nahm ich die letzten einhundertzwanzig Kilometer in Angriff Bei großer Hitze ging es durch die Lüneburger Heide Richtung Ziel. Mit starken Medikamenten schaffte ich den Weg in vier Tagen. Am 20. Juni, nach neunundfünfzig reinen Wandertagen und ca. eintausendfünfhundert zurückgelegten Kilometern, kam ich in den Außenbezirken von Hamburg an, setzte mich in die S Bahn, fuhr zum Hauptbahnhof und war zwölf Stunden später in Wien. Zuhause benötigte ich fast ein Monat bis mein Bein wieder in Ordnung war. Mein tägliches Wanderpensum von zwanzig Kilometern überschritt ich täglich. Manchmal legte ich fast vierzig Kilometer an einem Tag zurück. Auf meiner gesamten Wanderung benötigte ich kein einziges Mal das Zelt. Es gab jeden Tag, zwar oft nach längerem Suchen, eine Unterkunft in einem Privatzimmer oder in einem Gasthof. Die Leute waren durchwegs freundlich, manche konnten es gar nicht glauben, dass ich von Wien zu Fuß komme. Leider konnte ich mir durch meine Verletzung viele schöne Sachen nicht ansehen, da ich gerade nur die Wanderstrecke bewältigte. Aber im Rückblick bin ich froh diese Wanderung mit all den Anforderungen und Schwierigkeiten gemacht zu haben.
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