Freitag 31. März 2017

6. April 2013

Technik

Die neuen Wechselaufbauten!

Der neue Wechselaufbau Bauunfall (WBA) Der Wechselaufbau Bauunfall ist eine Ergänzungseinheit für Menschenrettungs- und erste Sicherungsmaßnahmen nach Bauunfällen. Er beinhaltet vorwiegend Spezialgerätschaften, die ein rasches Trennen, Abstützen und Sichern von Bauteilen sowie Auffinden und Befreien von eingeklemmten und verschütteten Personen ermöglichen. Nach der Menschenrettung und den Absicherungsmaßnahmen wird der WBA in Verbindung mit den Materialien und Gerätschaften der Nachschaffungswechselaufbauten Wechselaufbau Pölzholz und Wechselaufbau Pölzmaterial auch zum Pölzen und langfristigen Abstützen eingesetzt.

Die Entnahme der Geräte erfolgt beim WBA seitlich über jeweils zwei Geräteräume, welche mittig in einen oberen und einen unteren Geräteraum geteilt sind und nach Öffnen von Klappen zugänglich werden. Um die Klappen uneingeschränkt öffnen zu können, ist eine Mindestaufstellungsbreite von 4,7 Meter erforderlich. Die unteren Seitenklappen sind zudem begehbar ausgeführt. Zusätzlich ist eine Entnahme der langen Materialien nach Öffnen von zwei schwenkbaren Geräteraumtüren auch über das Heck möglich.

Der WBA verfügt weiters über ein öffenbares Planenverdeck, welches sowohl heck- als auch frontseitig verschoben und somit geöffnet werden kann. Über dieses Planenverdeck wird der Dachraum bzw. obere Geräteraum des WBA zugänglich. In diesem befinden sich drei kranbare Transportboxen mit den Gerätesätzen des Einsatzgerüstsystems und der Dreigurtstützen-Aluminium. Da der Wechselaufbau zum Öffnen des Planenverdecks bestiegen werden muss, ist der WBA für das Entladen der Transportboxen an der Einsatzstelle immer abzusatteln.

Der WBA ist auf der Hauptfeuerwache „Hernals“ stationiert. Da der WBA für Menschenrettung und sofortige Absicherungsmaßnahmen nach Bauunfällen vorgesehen ist, wird der Aufbau ständig aufgesattelt bereit gehalten. Eine Vielzahl von Gerätschaften, Arbeitsmittel und Werkzeugen finden am WBA Platz. Dazu gehören Schneid-, Trenn- und Abbruchgeräte wie zum Beispiel Sauerstoffschneidgerät, Trennschleifer, verschiedene Arten mechanisch betriebener Sägen, Bohr-, Stemm- und Meißelhämmer sowie ein Kernbohrgerät. An hydraulischen und pneumatischen Rettungsgeräten stehen ein Kombispreizer, ein Hydraulik- und Druckluftabstützsystem für Verschüttetetenrettung und Schnellabsicherung von Bauteilen zur Verfügung. Die mitgeführten Pölzgeräte und –materialien entsprechen dem letzten Stand der Technik und sind aus Alu-Legierungen hergestellt. Dadurch wird die Handhabung von Dreigurtstützen und Schwerlaststützen wesentlich erleichtert. Das Holomatro-Abstützsystem stellt einen wesentlichen Fortschritt gegenüber bisher verwendeter Geräte beim Pölzungs-Ersteinsatz dar.

Ein neuartiges Schnelleinsatzgerüst kann für die Errichtung von Abstützfachwerken zur Mauerabstützung verwendet werden. Das Verankerungsmaterial samt zugehörigem Werkzeug (System HILTI) kann bei allen erdenklichen Einsatzsituationen verwendet werden. Bei den Rettungs- und Sicherungsgeräten sind besonders das neue Dreibein mit Windenspill und das Tunnelbausystem für die Verschüttetenrettung erwähnenswert. Für die Bedienung aller Geräte wird die vorgeschriebene Schutzausrüstung mitgeführt. Auch beim Wechselaufbau Bauunfall stehen für das Ausleuchten von Einsatzstellen zwei Leuchtballone samt Zubehör zur Verfügung.

Der neue Wechselaufbau Schwerwerkzeug Der Wechselaufbau Schwerwerkzeug (WSW) stellt in seinem Grundkonzept eine Ergänzungseinheit für den schweren technischen Einsatz dar, wenn mit den Geräten der Löschbereitschaft nicht mehr das Auslangen gefunden wird. Da durch laufende Verbesserungen in den letzten Jahren die Arbeitsmittel der Löschfahrzeuge qualitativ dem Stand der Technik angepasst wurden, war mit dem alten WSW nur noch eine quantitative Verbesserung bei technischen Einsätzen gegeben. Zudem wurden die Aufgabenstellungen bei Verkehrsunfällen auf Straße und Schiene durch die Verwendung fortschrittlicher Materialien und immer schwieriger.

Um die Abdeckung der Aufgabenbereiche mit einer Vielzahl moderner Gerätschaften und Arbeitsmittel zu gewährleisten, wurde in einem neuen technischen Hilfeleistungskonzept eine Aufteilung der Gerätschaften auf zwei Wechselaufbauten vorgesehen. Der Wechselaufbau Schwerwerkzeug deckt dabei die Bereiche Verkehrsunfall Straße / Schiene sowie Befreiung von Personen aus Zwangslagen ab. Die Entnahme der Geräte kann über jeweils drei seitlich angeordnete Rollläden bzw. über einen Heckrollladen erfolgen. Durch die zahlreichen Geräteauszüge und Laden ist für eine ungehinderte Entnahme aller Gerätschaften ein seitlicher Mindestabstand von einem Meter erforderlich. Im Heckbereich muss für die Entnahme des Pölzholzes, der Schienenwagen und der Eingleisschiene ein Abstand von fünf Metern freigehalten werden. Zur Entnahme der Geräte muss der Aufbau immer abgesattelt werden.

Die Berufsfeuerwehr Wien verfügt derzeit über zwei Wechselaufbauten mit Schwerwerkzeug. Diese sind auf der Hauptfeuerwache „Hernals“ und der Zugswache „Landstraße“ stationiert. Da der WSW in der Ausrückeordnung fast ausschließlich zu Menschenrettungseinsätzen mitalarmiert wird, werden beide Aufbauten ständig aufgesattelt bereit gehalten. Der WSW verfügt über Schneid- und Trenngeräte wie zum Beispiel ein Autogenschneidgerät, Trennschleifer, Kettensägen und eine Säbelsäge. An hydraulischen Rettungsgeräten stehen mehrere Rettungsscheren, -spreizer und –zylinder sowie ein Pedalschneider zur Verfügung. Außerdem finden auf diesem Wechselaufbau eine Vielzahl von hydraulischen und pneumatischen Hebegeräten und das dafür erforderliche Unterbaumaterial Platz. Mit der großen Anzahl von Anschlagmittel samt notwendigem Zubehör müsste bei allen technischen Einsätzen das Auslangen gefunden werden. Selbstverständlich stehen für derartige Interventionen die vorgeschriebene Schutzbekleidung und –ausrüstung sowie entsprechendes Werkzeug zur Verfügung. Diverse Elektro-Ausrüstungen, wie etwa Erdungskrücken für U-Bahn-Stromschienen und Erdungsstangen für ÖBB-Fahrleitungen komplettieren den Aufbau. Für das Ausleuchten von Einsatzstellen stehen zwei Leuchtballone mit Zubehör zur Verfügung. Mit Rettungsplattformen, Schaufeltragen und Rettungswannen können Personen auch in schwierigen Situationen in Sicherheit gebracht werden. Um alle Geräte dort positionieren zu können wo sie erforderlich sind, stehen Transportrodeln und ein Schienentransportwagen zur Verfügung.
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