Dienstag 21. November 2017

6. April 2013

Technik

Das neue Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF)

Mit Anfang Mai 2011 wurden drei Stück der neuen Hilfeleistungslöschfahrzeuge HLF als Nachfolgefahrzeuggeneration der RLF an die MA 68 ausgeliefert. Die Indienststellung der drei ersten Fahrzeuge der neuen Generation auf den Hauptfeuerwachen „Favoriten“, „Hernals“ und „Döbling“ ist für Juli 2011 geplant. Diese drei „Referenzfahrzeuge“ durchlaufen hinsichtlich der Fahrzeugtechnik und neuen Gerätschaften einen Probebetrieb im Einsatzalltag. Die festgestellten Erkenntnisse aus der Einsatzpraxis werden dann in die folgenden HLF-Serien eingearbeitet.

Wie bereits das RLF ist auch das HLF als Kombinationsfahrzeug für den technischen Hilfeleistungseinsatz und den Brandeinsatz konzipiert. Erstrangig ist es der Hauptleistungsträger für die alltäglichen technischen Gruppeneinsätze. Demnach wurde auch bei der Ausrüstung auf dieses Aufgabengebiet besonders geachtet und bedingt durch das Fahrzeuggewicht der Löschwassertank auf 1200 Liter reduziert. Kompensiert wird dies jedoch durch eine verbesserte Schaumzumischanlage (Druckzumischanlage), die es nunmehr ermöglicht auch feindosierte Zumischungen im Löschwasser von 0,1 % - 1% vorzunehmen und dadurch die Löschwirkung am C-Hohlstrahlrohr gewaltig steigert. Demnach wird das HLF einsatztaktisch natürlich auch weiterhin für Brandeinsätze (sowohl Gruppeneinsätze als auch Bereitschaftseinsätze) verwendet.

Beim Fahrgestell des neuen HLF handelt es sich um das MAN Fahrgestell der Type 13.290 4x4 mit einem Radstand von 3650mm. Der Antrieb des Fahrzeug erfolgt über einen 6 Zylinder Dieselmotor mit einer Leistung von 213 kW (290 PS) der die derzeitigen Anforderungen an das Abgasverhalten mit EURO 5 und EEV (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle) mehr als vollständig erfüllt und über ein vollautomatisches 5-Gang Wandlergetriebe 5HP 592 mit Primärretarder. Das Fahrzeug verfügt wie die derzeit im Dienst stehenden Fahrzeuge über einen permanenten Allradantrieb mit einer Längs- und je einer Querdifferentialsperre an Vorder- und Hinterachse. Die Vorderachse ist blattgefedert, die Hinterachse luftgefedert.

Die Daten im Überblick: Fahrgestellmarke/type: MAN TGM 13.290 4x4 3650 BL Motor: 6-Zylinder Reihenmotor Hubraum 6,9l, Euro 5 EEV Leistung: 213 kW / 290 PS Drehmoment: 1.150 Nm bei 1200-1750 U/min Kraftübertragung: 5 Gang Automatikgetriebe ZF 5 HP 592 C mit Primärretarder 2-stufiges Verteilergetriebe mit Längsausgleichssperre VA und HA mit Differentialsperren Bremsen: Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterachse Festsellbremse: Federspeicher auf HA wirkend und Druckbeaufschlagung der VA bei Windenbetrieb. Fahrhilfen: Fahrzeugbreite / über Spiegel: 2.374 mm / 2.675 mm Fahrzeughöhe: 3.200 mm Höchstzulässige Gesamtmasse: 13.500 kg Einatzmasse (voll Beladen mit Mannschaft): 12.600 kg Wendekreisdurchmesser: 15,7 m Höchstgeschwindigkeit: 104 km/h Anhängekupplung Rockinger 400G135B Zul. Anhängelast Deichselanhänger: 11.180 kg / 750 kg (gebremst / ungebremst) Zul. Stützlast / Anhängelast Zentralachsanhänger: 700 kg / 5.840 kg.

Die Pumpe wurde beim neuen HLF von einer Heckeinbaupumpe zu einer sogenannten Mitteleinbaupumpe (Midship – Einbau) verändert. Das heißt, die Pumpe sitzt nun in der Fahrzeugmitte und der Heckraum ist abgesehen vom Platz den die Bedieneinheit einnimmt als zusätzlicher Raum nutzbar. Die Pumpengröße wurde von einer N30 (FPN 10-3000) auf eine N10 (FPN 10-1500) reduziert was eine erhebliche Gewichts- und Raumeinsparung ohne wesentlichen taktischen Nachteil mit sich brachte. Die Förderleistung der Pumpe reicht in jedem Fall für den Betrieb von bis zu 3 Rohren oder einer Drehleiter aus. Die tatsächlich am Pumpenprüfstand ermittelte maximale Förderleistung beträgt dabei 1600l/min bei 12 bar Ausgangsdruck bzw. 1800l/min bei 10 bar Ausgangsdruck. Der Schließdruck beträgt 16 bar. Durch die Gestaltung und Konfiguration des Pumpennebenabriebs ist mit den neuen HLF auch ein “Pump and Roll“ Betrieb möglich. Die Pumpe wird dabei vom Bedienstand im Fahrerhaus aktiviert, und die Löschmaßnahmen können z.B. bei Böschungs-/ Wiesenbränden mit dem Schnellangriff vorgenommen werden. Die Pumpe ist wie bei den derzeitigen RLF mit einer Pumpendruckregelung ausgestattet.

Die Pumpenbedienung erfolgt über ein logisch aufgebautes Bedienfeld im Heck (bzw. im Fahrerhaus für den “Pump and Roll“ Betrieb). Für die Aktivierung der Pumpe und das Herstellen des “Bereitschaftszustandes“ (Druck an den Abgangventilen) ist dabei nur ein Tastendruck (EIN) und das Einstellen des gewünschten Drucks mit dem “Drehrad“ erforderlich. Der gewünschte Ausgang kann dann ebenfalls mit nur einem Tastendruck aktiviert werden. Die weiteren Funktionen werden über Auswahltasten neben dem Anzeigedisplay des Bedienstandes geschalten. Am Display werden der aktuelle Fahrzeugzustand, die weiteren möglichen Einstellungen/Funktionen und Warnungen zum Teil in Symbolform und zum Teil als Klartext in übersichtlicher und logischer Weise angezeigt.

Das neue HLF verfügt über einen 1200l Wassertank und zur Steigerung der Schlagkraft und Löscheffizienz über einen 100l Schaummittelttank. Als Schaummittel wird für dieses Fahrzeug ein konzentriertes Klasse-A Schaummittel verwendet (Erläuterung: Primär für die Brandklasse A mit niedrigen Zumischraten von 0,1-1% geeignet, aber auch als MBS für Flüssigkeitsbrände unpolare Flüssigkeiten mit einer Zumischrate von 3% zugelassen). Neuerung: Die verfügbare Löschwassermenge im Tank ist über eine LED Anzeige auf beiden Fahrzeugseiten (hinter der Fahrer- bzw. Beifahrertüre) für den Einsatzleiter bzw. Zugskommandanten leicht ersichtlich (Anzeige Voll bis ¼ des Inhalts blau, unter einem ¼ rot). Die HLF verfügen wie auch schon die RLF über 2 heckseitige blau gekennzeichnete Eingänge zur Befüllung des Löschwassertanks und für die Anspeisung der Pumpe. Die Abgänge sind aufgrund einsatztechnischer Überlegungen nun nicht mehr seitlich im Tiefraum 5 +6 angeordnet sondern befinden sich am Fahrzeugheck (1xB und 1xC Abgang) bzw. an der Fahrzeugfront (1xB Abgang mit unmittelbar daneben gelagertem B-C Übergangsstück). Mit dieser neuen Ausführung soll die Schlauchführung in engen Straßenzügen vereinfacht werden, bzw. werden offenstehende Tiefraumklappen als Stolperfallen und Hindernisse vermieden. Die Abgänge sind farblich grün/gelb gekennzeichnet da über jeden Abgang auch ein Schaumbetrieb möglich ist. Im Heckraum befindet sich insbesondere für die Verwendung bei Klein-, Mistkübel- und KFZ-Bränden ein ND-Schnellangriff mit ca. 40m Schlauchlänge. Die Abgänge verfügen nicht mehr über Niederschraubventile sondern werden über pneumatisch angetriebene Stellorgane mit einer voreingestellten Öffnungszeit langsam vom Pumpenbedienstand aus geöffnet und geschlossen.

Schaumzumischsystem: Die neuen HLF sind mit einem Druckzumischsystem (Firmenbezeichnung Rosenbauer DIGIMATIC 24) ausgestattet. Mit diesem System ist es möglich, unabhängig von den Druckverhältnissen Schaummittel im Bereich von 0,1-6% dem Löschwasser genau zuzumischen. Als Zumischpumpe wird dabei eine Doppelmembranpumpe verwendet die über einen drehzahlgeregelten Elektromotor angetrieben wird. Die Löschwassermenge wird über einen Durchflussmengenmesser gemessen, die erforderliche Schaummittelmenge die proportional zur Motordrehzahl der Zumischpumpe ist über ein Steuergerät ermittelt und Schaummittel in Löschwasserleitung über eine Einspritzdüse eingespritzt. Die maximale Schaummittelmenge die dem Löschwasser zugemischt werden kann beträgt dabei 24l/min. D.h. bei einer Zumischrate von 0,1-1% kann die gesamte Förderleistung der Pumpe ausgenützt werden, bei 3% Zumischrate ist die maximale Löschmittelmenge mit 800l/min begrenzt. Das Schaummittel-/Wassergemisch kann entweder über den vorderen Abgang oder über die beiden hinteren Abgänge und den Schnellangriff abgegeben werden. Ein Parallelbetrieb von Wasser und Schaum ist dabei ebenfalls möglich z.B. vorderer Abgang Wasser und hintere Abgänge Schaum Als primäre Schaummittelquelle ist der eingebaute Schaummitteltank mit einer Zumischrate von 0,2% voreingestellt. Über die D-Kupplung bei der Zumischpumpe im Tiefraum 5 kann aber auch aus Kanistern oder Fässern Schaummittel entnommen und direkt zugemischt werden. Die Füllung des Schaummitteltanks erfolgt ebenfalls über diesen Eingang wobei die Förderichtung der Schaummittelpumpe dabei umgedreht und das Schaummittel in den Tank gefördert wird.

Seilwinde: Type: Rotzler Treibmatic TR 030 Fire Die Seilwinde die weitgehend ident zu der bei den RLF verbauten Winden und wird über den 2. Nebenabtrieb am Automatikgetriebe angetrieben. Neuerungen: Höhere Zuglast bzw. kann mit einer Taste kann die Zugkraft kurzzeitig erhöht werden. Nennzugkraft: 50 kN Bedienung: im Bereich des Fahrersitzes bzw. Fahrerhauses mittels Kabelfernbedienung Drahtseillänge nutzbar: 55m Drahseildurchmesser: 13 mm

Der eingebaute Drehstromgenerator entspricht exakt der Type, die im derzeitigen RLF in Verwendung steht, auch die Lagerung und die Abgasführung mittels fix verbautem Rohr unter das Fahrzeug sind gleich geblieben. Das Hydraulikaggregat ist fix angeschlossen, der Lichtmast ist, da jetzt 24V Hochleistungs LED Scheinwerfer verwendet werden, nicht mehr am Generator angeschlossen. Neuerung: Umfeldbeleuchtung und Lichtmast sind als energiesparenden LED-Scheinwerfer ausgeführt, laufen mit Fahrzeugspannung 24V und können daher jederzeit ohne Drehstromgenerator in Betrieb genommen werden.

Sondersignalanlage: Die Leuchtstärke der Blaulichter kann bei Nacht oder Nebel reduziert werden um die eigene Blendung bzw. die Blendung anderer Verkehrsteilnehmer zu reduzieren. Die Betätigung des Folgetonhorns ist neben der Taste an der Fahrerhausbedieneinheit und dem Hupenschalter des Fahrzeuges nunmehr auch über einen Fußtaster im linken Fußraumbereich möglich. Die Beleuchtung im Mannschaftsraum ist 2-stufig ausgeführt, um einerseits eine ausreichende Beleuchtung für die Mannschaft beim Ausrüsten auf der Anfahrt zu gewährleisten und andererseits den Maschinisten möglichst wenig zu „blenden“. Drehtreppe für den Mannschaftsraum, Verbesserter Auftritt und Sitz mit Atemschutzhalterung für den Gruppenkommandanten.

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