Dienstag 26. September 2017

6. April 2013

Technik

Das neue Langzeitatemschutzgerät

Dräger BG 4: Das neue Langzeitatemschutzgerät! Der Chefredakteur sprach mit dem Atemschutzreferenten der Wiener Berufsfeuerwehr, BR Ing. Johannes Högn Firefighter: Hannes, um welche Art von Langzeitatemschutzgeräten handelt es sich bei der ausgewählten Type? BR Högn: Es sind Kreislaufgeräte mit der Bezeichnung BG 4 der Firma Dräger. Die theoretische Einsatzdauer beträgt bis zu vier Stunden! Diese Atemschutzgeräte sind Kreislaufgeräte, das bedeutet, dass die Atemluft in diesem System im Gegensatz zu Pressluftatmern immer wieder aufbereitet wird. Zu diesem Zweck wird die Ausatemluft in einer Kalkpatrone vom Kohlendioxid befreit und anschließend wieder mit Sauerstoff angereichert. Dadurch können wesentlich längere Einsatzzeiten als mit Pressluftatmern erreicht werden. Firefighter: Warum wird gerade dieser Typ angekauft? BR Högn: Diese Geräte stellen den stark modernisierten Nachfolger der bisher bei uns verwendeten Travox 120 dar. Es ist somit eine deutliche Verbesserung von bewährter Technik gegeben. Außerdem war für uns die Kompatibilität zu den in den umliegenden Bundesländern verwendeten Geräte wichtig. Bei einem möglichen Großschadensereignis, etwa einem Tunnelbrand, ist das im Hinblick auf die Verfügbarkeit und Wartung von großer Bedeutung. Letztlich haben natürlich auch der Preis und der technische Support eine Rolle gespielt. Die relativ einfache Wartung der Geräte hält die Folgekosten in einem überschaubaren Rahmen. Firefighter: Wodurch unterscheiden sich die Geräte von den Vorgängermodellen? BR Högn: Abgesehen von der längeren Einsatzdauer ist der Tragekomfort durch die bessere Begurtung wesentlich erhöht. Dazu kommt noch, dass das System - wie bei unseren Pressluftgeräten - ständig unter Überdruck steht, damit auch bei kleinen Undichtheiten am Maskenrand niemals die Gefahr eines Schadstoffeintrittes in das Kreislaufsystem besteht. Firefighter: Stichwort Maske: Warum wird eine Spinnenmaske und keine Helm-Maskenkombination wie bei unseren Pressluftatmern verwendet? BR Högn: Der Gedanke dahinter ist der, dass sich der Träger bei einer derart langen Einsatzdauer unter Umständen in einem geschützten Bereich einmal ausrasten muss. Durch die gewählte Maskenart kann der Geräteträger in so einem Fall den Helm abnehmen, was für eine Regeneration sicher günstig ist. Firefighter: Meiner Meinung nach war bei den alten Kreislaufgeräten das Hauptproblem, dass die Luft im System immer furchtbar heiß geworden ist. Was hilft das beste Atemschutzgerät, wenn der Träger lange vor der technisch erreichbaren Einsatzdauer kollabiert? BR Högn: Auch für dieses Problem wurde bei dieser Gerätegeneration eine deutliche Verbesserung geschaffen. In diesen Geräten sind Behälter eingebaut, die im Einsatzfall mit Eis gefüllt werden. Firefighter: Cool! Kann ich in meines Schoko-Vanille haben? BR Högn: Die Dienststelle wird sich selbstverständlich bemühen, auf deine individuellen Wünsche einzugehen. Den Blödsinn schreibst jetzt aber nicht!? Firefighter: Nie und nimmer! Großes Reporterehrenwort! Wie läuft eigentlich der weitere Beschaffungsvorgang ab und wo werden die Geräte stationiert? BR Högn: Es werden jetzt kontinuierlich bis zum Jahr 2006 Kreislaufgeräte BG 4 angekauft und die gleiche Anzahl an Travox 120 ausgemustert. Jeweils sechs Stück befinden sich dann auf den Atemschutzfahrzeugen, die auch mit einem Kühlschrank für die benötigten Eiszylinder ausgestattet sein werden. Weitere Geräte werden auf dem Wechsellader Atemschutz mitgeführt und eine entsprechende Betriebsreserve wird in der Atemschutzwerkstätte vorrätig gehalten. Firefighter: Abschließend noch eine Frage zur Praxis: Kann jeder Feuerwehrmann unter einsatzmäßigen Bedingungen ein BG 4 mehrere Stunden tragen? BR Högn: Die Ausbildung erfolgt schwerpunktmäßig auf den Hauptfeuerwachen „Favoriten“ und „Floridsdorf“ und in der Erstphase der Umrüstung werden nur diese beiden Hauptfeuerwachen bei der Verwendung von Kreislaufgeräten BG 4 eingesetzt werden. Die personalmäßige Durchwanderung von Chargenschule und Branddienstkurs gewährleistet, dass in ca. vier Jahren genügend ausgebildetes Personal auf allen Feuerwachen zur Verfügung steht. Trotzdem wird sich der Einsatzleiter bei solchen Extremeinsätzen die Geräteträger sorgfältig aussuchen müssen. Hier muss noch erwähnt werden, dass natürlich ein Langzeitatemschutzeinsatz aufgrund der Belastung des Atemschutzgeräteträgers im Normalfall keine vier Stunden dauern darf. Die lange Einsatzzeit der Geräte muss als Sicherheitsreserve gesehen werden. Wenn z.B. ein unvorhergesehenes Ereignis eintritt hat der Atemschutzträger auf alle Fälle genügend Zeit um den Gefahrenbereich zu verlassen. Firefighter: Es sind zwar tolle Geräte, aber ich hoffe, dass wir nie einen derart schlimmen Einsatz haben, bei denen wir die Dinger wirklich brauchen ... BR Högn: Das hoffe ich auch. Firefighter: Danke für das Gespräch!
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