Donnerstag 24. August 2017

6. April 2013

Über uns

Helden im Alltag

Manchmal gerät man in Situationen, wo rasches Handeln angesagt ist. Man kann sich auf derartige Ereignisse leider nur mental vorbereiten und es passiert erfahrungsgemäß meistens dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet. So kann es vorkommen, dass man als Privatperson mit einem Verkehrsunfall, einem Entstehungsbrand, einer dringend notwendigen Erste-Hilfe-Leistung oder einer sonstigen kleinen Katastrophe des Alltages konfrontiert ist. Der Großteil der Bevölkerung einer Großstadt geht in so einer Situation den Weg der geringsten Schwierigkeiten: wegschauen und abhauen. Umso erfreulicher ist es, dass es manchmal doch noch couragierte Männer und Frauen gibt, die sich in schwierigen Situationen nicht mit der Rolle der Schaulustigen begnügen, sondern uneigennützig mutige Handlungen setzen. Es ist im Übrigen so, dass diese Helden des Alltags – und um die geht es hier – in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle keinesfalls dem Bild entsprechen, welches man von einem anständigen Helden hat. Nur sehr selten tritt ein Retter in der Not in Erscheinung, der groß, blond und breitschultrig die schwierigsten Situationen meistert. Das gibt es leider nur im Film. Die Menschen, von denen hier die Rede sein soll, können groß, klein, dick, dünn, jung, alt, männlich oder weiblich sein. Eines eint diese ansonsten unauffällige Personengruppe aber: sie schauen nicht weg und wachsen mit der Aufgabe. Ein Beamter der Wiener Berufsfeuerwehr fuhr am Dienstag, den 26. 8. 2003 mit der Straßenbahn in Richtung seiner Feuerwache „Donaustadt“. Plötzlich sackte ein Fahrgast zusammen und gab keine Lebenszeichen mehr von sich. Zum Glück trug der Feuerwehroffizier ein Rescue-Bag an seinem Gürtel und verfügte so zumindest über Einweghandschuhe, Beatmungsmaske und ein Desinfektionstuch. Er überprüfte die Vitalfunktionen, stellte fest, dass keine mehr vorhanden waren und begann umgehend mit einer fachgerechten Reanimation. Diese war von Erfolg gekrönt, der Patient konnte dem nach ca. zehn Minuten eingetroffenen Rettungsdienst mit wieder funktionierenden Vitalfunktionen (Puls und Atmung) übergeben werden.

Der Retter, der nicht wollte, dass sein Name genannt wird (das wird von der Redaktion natürlich respektiert, der Name ist nirgendwo zu lesen) mit seinem Rescue-Bag. Den Inhalt bekam er nach der Aktion von der FIREFIGHTER-Redaktion natürlich umgehend kostenlos ersetzt!

Die Vorgangsweise dieses Feuerwehrbeamten in Zivil ist keine Selbstverständlichkeit. Man muss in so einer Situation mutig und beherzt schnelle Handlungen setzen und darf sich nicht von den Kommentaren der Schaulustigen irritieren lassen. Es gibt nicht viele Personen, die einer derartigen Aufgabe unvorbereitet gewachsen sind. Da der Kollege ein ausgesprochen zurückhaltender und bescheidener Mensch ist, erfuhr das Firefighter-Team erst mit Verspätung von dieser vorbildlichen Aktion. Es konnte recherchiert werden, dass der Patient zwar noch in einem Spital, inzwischen aber wieder wohlauf ist. Was passiert wäre, wenn zu diesem Zeitpunkt nicht der richtige Mann am richtigen Ort gewesen wäre, muss nicht recherchiert werden!
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