Dienstag 26. September 2017

6. April 2013

Über uns

Gespräch mit BR Keck zum Thema Gesundheitsüberwachung

Thema Gesundheitsüberwachung: BR Richard Keck im Gespräch mit Alexander Markl
FIREFIGHTER: Richard, warum ist eine Gesundheitsüberwachung aller Mitarbeiter gerade jetzt notwendig geworden, obwohl es das die letzten 318 Jahre bei der Wiener Feuerwehr nicht gegeben hat? BR Keck: Zunächst einmal möchte ich mich für die Einladung bedanken, dem international anerkannten Fachmagazin FIREFIGHTER ein Interview über die Gesundheitsüberwachung geben zu dürfen. Es ist so, dass sich in den letzten Jahren die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Beschäftigung von FeuerwehrmitarbeiterInnen im Einsatzdienst geändert haben. Die juristische Basis stellt in diesem Fall das Wiener Bedienstetenschutzgesetz samt Verordnungen und entsprechenden Richtlinien dar. FIREFIGHTER: Von wem werden diese Tests abgenommen? BR Keck: Die Ergometrie darf nur durch einen beim Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten eingetragenen Arbeitsmediziner durchgeführt werden. In unserem Fall wird dies durch den Arbeitsmediziner Dr. Becsi der Firma Wellcon erledigt. Zur Unterstützung wird fallweise Frau Dr. Kaufmann hinzugezogen. Beide Arbeitsmediziner sind mit den Eigenheiten der Wiener Berufsfeuerwehr vertraut, da sie mit dem Präventivdienst im Sinne des Wiener Bedienstetenschutz betraut sind. FIREFIGHTER: Wo finden die Untersuchungen statt? BR Keck: Es gibt die gesetzlichen Verpflichtung die Gesundheitsüberwachung in der Dienstzeit durchzuführen. Wegen der notwendigen Einsatzbereitschaft müssen die Untersuchungen am Dienstort während der Dienstzeit abgewickelt werden. Natürlich müssen auch die notwendigen Pausen berücksichtigt werden! FIREFIGHTER: Wie spielt sich das ab? BR Keck: Die Gesundheitsüberwachung wird im allgemeinem mit der Blutabnahme für das kleine Labor begonnen. Zur Vereinfachung der Organisation wird gleichzeitig die Hepatitis A + B Impfung durchgeführt. Dabei werden durch die gleichzeitige Blutabnahme Transportkosten zum Labor gespart. FIREFIGHTER: Was ist die Ergometrie? BR Keck: Die Ergometrie besteht aus einem auf einem speziellen Ergometer durchgeführten Stufentest, der von einem Arbeitsmediziner mittels EKG und Blutdruck überwacht wird. Der Stufentest beginnt mit 25 Watt und steigert sich alle zwei Minuten um weitere 25 Watt bis zur subjektiven Erschöpfungsgrenze oder dem vorzeitigen Abbruch durch den Arbeitsmediziner. Die Überwachung durch besonders geschulte Arbeitsmediziner ist deshalb notwendig, da es in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Herz-Kreislaufstörungen kommen könnte. Eine besondere Fitness für diesen Test ist nicht erforderlich, da sich die erforderlichen Werte am Durchschnitt der Bevölkerung orientieren. FIREFIGHTER: Das klingt trotzdem anstrengend! Kann ich den Test statt auf dem Fahrrad mit dem Motorrad machen? BR Keck: Ja, aber nur wenn du dein Motorrad ohne zu starten über den Grünen Berg schiebst. Dann hättest du sicher die erforderliche Leistung erbracht. FIREFIGHTER: Was ist die Hepatitis A + B Impfung? BR Keck: Die Hepatitis A + B Impfung besteht aus drei Teilimpfungen im Abstand von ca. 6 – 8 Wochen und 6 Monaten (2. + 3. Impfung). Danach folgt nach vier Wochen eine Blutabnahme zur Antikörperbestimmung (Titer). In Fällen wo Mitarbeiter nicht wissen, welche Hepatitisimpfungen sie bereits erhalten haben, wird vor der ersten Teilimpfung eine Titer notwendig sein. Mitarbeiter, die keinen Impfpass vorweisen können, bekommen im Zuge der dienstlichen Impfungen einen neuen ausgestellt. FIREFIGHTER: Was ist eine Anamnese? BR Keck: In einem persönlichen Vieraugengespräch zwischen dem Mitarbeiter und dem Arbeitsmediziner werden gesundheitliche Daten erfasst, die es dem Arbeitsmediziner erlauben, eine Beurteilung über die Tauglichkeit für dem Einsatzdienst bei der Berufsfeuerwehr abzugeben. Diese erfassten Daten sind nur dem Mitarbeiter und dem Mediziner bekannt, unterliegen selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht und werden keinesfalls an den Dienstgeber weitergeleitet! Das an den Arbeitgeber übermittelte Ergebnis der Gesundheitsüberwachung besteht lediglich aus dem Befund „Tauglich“, „Tauglich mit vorzeitiger Untersuchung“ und hoffentlich nur in seltenen Fällen aus „Untauglichkeit“. FIREFIGHTER: Was bedeutet „Tauglich mit vorzeitiger Untersuchung“? BR Keck: So werden jene Mitarbeiter beurteilt, die zwar gesundheitliche Einschränkungen aufweisen, welche aber nach Abklärung durch einen Facharzt in absehbarer Frist behebbar erscheinen. Bis zur Folgeuntersuchung sind keine dienstlichen Einschränkungen notwendig. „Untauglich“ wird nur Mitarbeiter betreffen, die schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen aufweisen, welche noch nicht erkannt wurden. Für diese Mitarbeiter werden spezielle individuelle Lösungen angestrebt. FIREFIGHTER: Ersetzt die Gesundheitsüberwachung die Vorsorgeuntersuchung? BR Keck: Nein! Es wird dringend empfohlen zusätzlich zur Gesundheitsüberwachung eine Vorsorgeuntersuchung durchführen zu lassen, da die Kriterien der Gesundheitsüberwachung eine nur sehr spezielle Beurteilung des Gesundheitszustandes ermöglichen und keinesfalls Aufschluss über den allgemeinen körperlichen Status ermöglichen. FIREFIGHTER: Was muss ich anziehen? BR Keck: Sporthose, Turnschuhe und Handtuch mitnehmen. Der Oberkörper, egal ob behaart oder nicht, soll frei bleiben, da die Sensoren fürs EKG befestigt werden müssen.

FIREFIGHTER: Was muss man bei der Blutabnahme beachten? BR Keck: Da bei der Blutabnahme nur ein Langzeitblutzuckerspiegel maßgeblich ist, spielt „Nüchternheit“ keine Rolle. Ein bestimmter Wert spiegelt die Sättigung der Blutplättchen mit Zucker über die letzten drei Monate wider und ermöglicht dem Arbeitsmediziner eine Beurteilung über die Neigung zu Diabetes. In diesem Zusammenhang muss ich darauf hinweisen, dass Diabetes zu den Zivilisationskrankheiten mit den höchsten Zuwachsraten zählt und eine Vielzahl an Folgeerkrankungen verursacht. FIREFIGHTER: Bekomme ich nach der Blutabnahme wenigstens Rotwein und Würstchen? BR Keck: Auf Grund der geringen Blutmenge die abgenommen wird und der damit verbundenen weiteren Einsatzbereitschaft ist daran nicht gedacht. FIREFIGHTER: Schade. Wer und wie oft wird überprüft? BR Keck: In der Erstphase werden alle jene Mitarbeiter überprüft, welche sich im Einsatzdienst (BR, FA, NA, NB, OF) befinden und sich nicht in Leistungsdiagnostik befinden oder in den nächsten zwei Jahren in den Ruhestand versetzt werden. Die Gesundheitsüberwachung wird vorerst alle zwei Jahre durchgeführt. FIREFIGHTER: Wie erfolgt die Einteilung zur Gesundheitsüberwachung? BR Keck: Die Gesundheitsüberwachung ist prinzipiell freiwillig, es muss jedoch drauf geachtet werden, dass die Termine möglichst ausgelastet werden. Liegen keine freiwilligen Meldungen vor, werden vom Zugskommandant Einteilungen vorgenommen. Die Anzahl der Termine orientiert sich nach den dienstlichen Gegebenheiten, wodurch naturgemäß keine langfristigen Prognosen abgegeben werden können. FIREFIGHTER: Kann ich den Test auch verweigern? BR Keck: Da der Dienstgeber gesetzlich verpflichtet ist, die fortwährende Eignung für die Tätigkeit festzustellen, kann der Test zwar abgelehnt werden aber mit der Konsequenz, dass eine Weiterbeschäftigung im Einsatzdienst nicht möglich ist. FIREFIGHTER: Klingt nicht unbedingt empfehlenswert. Wenn ich vor kurzem bei einer Gesundenuntersuchung war und entsprechende Befunde vorlegen kann, muss ich mir noch einmal Blut abnehmen lassen? BR Keck: Prinzipiell ist die Gesundheitsüberprüfung unabhängig von bereits geleisteten Tests notwendig. Es wird allerdings empfohlen diesbezügliche Befunde zur Gesundheitsüberprüfung mitzunehmen und die Sache mit dem Arbeitsmediziner abzuklären. FIREFIGHTER: Die Gesundheitsüberwachung ist sicher auch ein enormer logistischer Aufwand, gibt es bei der Durchführung Komplikationen? BR Keck: Man sollte es nicht glauben, aber die Probleme bestehen oft beispielsweise darin, auf der jeweiligen Feuerwache einen entsprechend großen Raum mit Liege, Tisch und Stromanschluss aufzutreiben. FIREFIGHTER: Richard, danke für das aufschlussreiche Gespräch. Und sei bitte vorbereitet auf einen Anruf aus Hollywood, denn wenn es einmal im FIREFIGHTER steht, wollen die die Geschichte bestimmt verfilmen! Der Titel wäre wahrscheinlich: Richard, Chroniken eines GSÜ-Kriegers! BR Keck: Wenn die dort einen entsprechend großen Raum mit Liege, Tisch und Stromanschluss haben, ist das kein Problem. Mehr Information gibt es unter "Das aktuelle Interview mit DI Dr. Perner " und unter "Wissenswertes zur Spirometrie und dem Belastungs-EKG" nachzulesen!
© 1999 - 2017 - firefighter.at - Das Magazin für Einsatzkräfte
http://firefighter.at/