Freitag 28. Juli 2017

6. April 2013

Über uns

Interview mit Vizebürgermeisterin Mag.a Renate Brauner

Das folgende Interview wurde von der Zeitschrift „Die österreichische Feuerwehr” (Bohmann-Verlag) geführt. Die FIREFIGHTER-Redaktion bedankt sich für die Abdruckgenehmigung.
Wien gilt als eine der sichersten Großstädte der Welt. Wie sicher ist die österreichische Bundeshauptstadt auf dem Sektor Brandschutz? Brandschutz wird in den Vorbeugenden und in den Abwehrenden Brandschutz unterteilt. Beide Bereiche werden von erfahrenen Feuerwehrleuten betreut, die auch aktiv im Einsatzdienst tätig sind. Das bedeutet, dass Erfahrungen aus der Praxis unmittelbar Maßnahmen nach sich ziehen, um künftige Schadensereignisse hintan zu halten. Durch die ständige Fortbildung des Personals ist gewährleistet, dass laufend sicherheitstechnische Anpassungen durchgeführt werden. So wird beispielsweise in den letzten Jahren verstärkt Augenmerk auf die Rettung von Personen mit besonderen Bedürfnissen gelegt. Im Bereich des Vorbeugenden Brandschutzes werden stets die neuesten sicherheitstechnischen Erkenntnisse - beispielsweise beim Bau von Hochhäusern - berücksichtigt. Wien ist daher auch im internationalen Vergleichbrandschutztechnisch betrachtet eine der sichersten Großstädte. Nur ca. ein Prozent der österreichischen Feuerwehrleute verrichtet diese Tätigkeit beruflich. Warum hat Wien eine Berufs- und keine Freiwillige Feuerwehr? Es ist in einer Großstadt logistisch nichtmöglich, den Abwehrenden Brandschutz bei einem ähnlichen Maß an Sicherheit einerfreiwilligen Organisation zu übertragen. Man muss sich vor Augen halten, dass von der Alarmierung der Berufsfeuerwehr bis zum Eintreffen der ersten Einsatzkräfte in der Regel ein Zeitraum von maximal fünf bis sieben Minuten verstreicht. Die ständige Aus- und Fortbildung, aber auch die Wartung der Geräte und die Verwaltung würden die Möglichkeiten einer Freiwilligen Feuerwehr übersteigen. Zusätzlich zur Wiener Berufsfeuerwehr existieren in der Bundeshauptstadt die Freiwilligen Feuerwehren Süssenbrunn und Breitenlee, welche in ihrem Ausrückebereich eine Unterstützung der professionellen Einsatzkräfte darstellen. Wie viele Feuerwachen gibt es in der Bundeshauptstadt? Wie viele Betriebsfeuerwehren? Wie viele Feuerwehrleute beschäftigt die Stadt? In Wien gibt es 27 Wachen der Berufsfeuerwehr, zwei Wachen der Freiwilligen Feuerwehren und 47 Betriebsfeuerwehren. Der Mannschaftsstand der Berufsfeuerwehr beträgt ca. 1.700 Feuerwehrmänner und drei Feuerwehrfrauen. Wie viele Einsätze, aufgeschlüsselt in Brandeinsätze und Technische Hilfeleistungen, leisten diese pro Jahr? Von den insgesamt 33.565 Einsätzen im Jahr 2006 gliedern sich die Einsätze der Berufsfeuerwehr in zirka ein Drittel Brandeinsätze und zwei Drittel Technische Einsätze. Zu Brandeinsätzen zählen beispielsweise Zimmerbrände, Geschäftsbrände und Dachbrände oder Auslösungen von automatischen Brandmeldeanlagen, zum Beispiel durch Mistkübelbrände. Technische Einsätze betreffen beispielsweise Verkehrsunfälle, Hilfeleistungen für Personen in psychischer oder physischer Zwangslage oder Leichenbergungen. Im Jahr 2006 waren pro 24Stunden zirka 92 Feuerwehreinsätze notwendig. In weiterer Folge bedeutet das, dass in Wien etwa alle 15 Minuten mindestens ein Löschfahrzeug ausrückt, und das rund um die Uhr - auch an Wochenenden oder Feiertagen. Bei der Wiener Feuerwehr wird unabhängig von der Anzahl der tatsächlich eingesetzten Fahrzeuge jeder Einsatz nur einmal gezählt. Das bedeutete in Vielfaches an Fahrzeugbewegungen im Vergleich zu den Einsatzzahlen. Wie viel Geld wendet die Stadt für das Feuerwehrwesen auf? Die Wiener Berufsfeuerwehr gilt weltweit als eine der am besten ausgebildeten und als eine, die über die modernsten Fahrzeuge und Gerätschaften verfügt, denn die Sicherheit der WienerInnen hat für uns höchste Priorität. Pro Jahr investiert die Stadt deshalb über 100 Millionen Euro in die Wiener Berufsfeuerwehr. Besonders im öffentlichen Dienst ist Sparen angesagt. Kann man bei den Feuerwehren und damit bei der Sicherheit der Bevölkerung überhaupt sparen? Bei der Sicherheit kann man im Interesse der BürgerInnen dieser Stadt sicher nicht sparen. Es wird aber darauf geachtet, dass bei der Wiener Berufsfeuerwehr die Mittel möglichst effizient eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür stellt die ausgesprochenschlanke Verwaltung dar, diese wird großteils von den MitarbeiterInnen im Einsatzdienst abgewickelt. Wien wächst, aber auch die Aufgaben der Feuerwehren. Werden Sie in Zukunft mit den bestehenden Feuerwachen und dem derzeitigen Personal das Auslangen finden? Derzeit werden sämtliche Auswirkungen der mittel- und langfristigen Bevölkerungsprognosen für Wien - mit allen Unschärfen -in Bezug auf Wohnbauten, Schulen etc. einer intensiven Prüfung unterzogen. Dabei werden jedenfalls auch die Bedürfnisse - hinsichtlich der Sicherheit der Bevölkerung- im Zusammenhang mit der Feuerwehr Berücksichtigung finden. Was geschieht in der Bundeshauptstadt auf dem Sektor Katastrophenschutz? Sind Sie für die Europameisterschaft 2008 gerüstet? Die Wiener Berufsfeuerwehr ist stets für alle realistisch denkbaren Fälle gerüstet. Eigens nominierte Mitarbeiter - die Katastrophensprengelleiter- kümmern sich um diesen Bereich und die Sturm- und Unwettereinsätze des laufenden Jahres haben gezeigt, dass dieses System sehr gut funktioniert. Für die Europameisterschaft wurden von einer Expertengruppe die verschiedensten Risken analysiert. Es wird eine höhere Anzahl von Gruppen im Dienst sein und es gibt eine Stadioneinsatzgruppe mit speziell geschulten Kräften. Außerdem werden zusätzliche Taucher- und Bootsbesatzungen für Donauinsel und Donaukanal vorgesehen. Einzelne Löschgruppen sind an allen kritischen Punkten als „Speerspitzen” vor Ort. Der erhöhte Personalbedarf wird durch eine Urlaubssperre im fraglichen Zeitraum abgedeckt. Durch die dezentral verteilten und ausgezeichnet geschulten Feuerwehrkräfte kann während der Europameisterschaft 2008im Feuerwehrbereich ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet werden. Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Berufsfeuerwehr mit den umliegenden Freiwilligen Feuerwehren, den anderen Blaulichtorganisationen(Polizei, Rettung) bzw. dem Zivilschutz? Es werden laufend gemeinsame Übungen durchgeführt, zuletzt wurde im November im Kaisermühlentunnel ein Verkehrsunfall nach einem Stromausfall simuliert, an dem alle Wiener Blaulichtorganisationen teilgenommen haben. Sämtliche Blaulichtorganisationen, aber auch Bundesheer und Radiostationen sind in Wien im so genannten K-Kreis zusammengefasst- insgesamt handelt es sich dabei um über 30 freiwillige und berufliche Hilfs- und Einsatzorganisationen. Die beteiligten Organisationen treffen sich regelmäßig um Fachinformationen auszutauschen. Mussten Sie schon einmal die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch nehmen? Das nicht, aber bei Einsätzen wie etwa zuletzt im November 2007 bei einem Wohnungsbrand am Mittersteig verschaffe ich mir regelmäßig persönlich vor Ort ein Bild von der Leistungs- und Einsatzfähigkeit der Wiener Feuerwehr.
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